Mann oder Frau?: Semenyas Geschlechtstest sorgt für Empörung
Aktualisiert

Mann oder Frau?Semenyas Geschlechtstest sorgt für Empörung

Der am Mittwoch gegen die 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya (18) vom Weltverband IAAF angeordnete Geschlechtstest hat im Südafrika, der Heimat der Läuferin, für Empörung gesorgt.

«Wenn sie ein europäisches Mädchen wäre, wäre ihr das nicht passiert», sagte Leonard Chuene, der Präsident des südafrikanischen Leichtathletik-Verbandes. Noch heftiger äusserte sich die Nachwuchsorganisation der Kommunistischen Partei Südafrikas: «Das klingt nach schlimmstem Rassismus; es repräsentiert eine Mentalität, die konform mit einem weiblichen Schönheitsideal der weissen Rasse geht.» Auch der Verband der südafrikanischen Fussballspieler schloss sich der Kritik an: «Es zeigt, dass diese imperialistischen Länder es sich nicht erlauben können, das Talent, das Afrika als Kontinent hat, zu akzeptieren.»

Derweil bekräftigte Semenyas Mutter, dass ihre Tochter eine Frau ist. «Mein Golden Girl ist kein Mann», wurde Dorcus Semenya in der Zeitung «The Star» zitiert. «Sie können jeden bei uns im Dorf fragen. Die Leute wissen Bescheid, weil sie alle mitgeholfen haben, sie zu erziehen.» Die Familie stammt aus dem Dorf Seshego, das in der Provinz Limpopo im Norden des Landes liegt. «Ich sorge mich nicht, denn ich weiss, dass mein Kind ein Mädchen ist», so die Mutter.

Semenya hatte am Mittwoch in Berlin bei ihrem Gold-Lauf über 800 m mit 1:55,45 ihre eigene Jahresweltbestzeit um 1,27 Sekunden verbessert. Diese war sie erst drei Wochen zuvor aus dem Nichts gelaufen. Aufgrund ihres frappanten Leistungsprungs in diesem Jahr, ihrer tiefen Stimme sowie ihres muskulösen Körpers hat die IAAF Verdacht geschöpft und vor dem WM-Final von der 18-Jährigen einen Geschlechtstest verlangt. Das Ergebnis der genetischen Untersuchung soll innerhalb von einer Woche vorliegen.

(si)

Deine Meinung