Strafe gesenkt: Senior schändet 100-mal geistig Behinderte
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Strafe gesenktSenior schändet 100-mal geistig Behinderte

Ein 70-Jähriger hat die geistig behinderte Tochter seiner Lebensgefährtin 100-mal sexuell missbraucht. Nun senkten die Zürcher Oberrichter die Strafe auf drei Jahre teilbedingt.

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Da die Anklage vergebens wesentlich mehr Übergriffe geltend gemacht hatte, senkten die Oberrichter eine erstinstanzliche Hinwiler Strafe von 45 Monaten auf noch drei Jahre teilbedingt. 15 Monate soll der Täter absitzen.

Da die Anklage vergebens wesentlich mehr Übergriffe geltend gemacht hatte, senkten die Oberrichter eine erstinstanzliche Hinwiler Strafe von 45 Monaten auf noch drei Jahre teilbedingt. 15 Monate soll der Täter absitzen.

Es war im März 2014, als der heute 70-jährige Schweizer bei den Untersuchungsbehörden zugab, dass er sich über mehrere Jahre hinweg an der geistig behinderten Tochter seiner Lebensgefährtin sexuell vergangen hatte. Ein aufmerksamer Nachbar hatte den Täter durch das Wohnzimmer bei einem Übergriff beobachtet und die Polizei eingeschaltet.

Tatort war jeweils die Wohnung der Freundin des Rentners im Zürcher Tösstal. Die Vorfälle fanden jeweils an Besuchswochenenden statt, als die heute 48-jährige und in einem Heim lebende Geschädigte bei ihrer Mutter weilte.

Umstrittene Anzahl der Übergriffe

Der grundsätzlich geständige Täter musste sich vor einem Jahr zuerst am Bezirksgericht Hinwil verantworten. Mit der Anzahl der Übergriffe war allerdings ein wichtiger Punkt umstritten. Während die Staatsanwaltschaft davon ausging, dass der Beschuldigte die Privatklägerin pro Wochenende durchschnittlich zweimal missbraucht hatte, machte er geltend, an einem Wochenende höchstens bloss einmal oder gar nicht delinquiert zu haben. Das Hinwiler Gericht folgte der Anklage und setzte wegen mehrfacher Schändung eine unbedingte Freiheitsstrafe von 45 Monaten fest.

Die Verteidigung legte Berufung ein und gelangte vor zwei Wochen an das Obergericht – mit einem gewissen Erfolg, wie das Obergericht in einer Pressemitteilung nun eröffnete. Öffentlichkeit und Presse waren von der Berufungsverhandlung ausgeschlossen.

100 Vorfälle sind erwiesen

Fest steht, dass die Oberrichter bei der Häufigkeit der Übergriffe neu den Angaben des Beschuldigten folgten. So hatte dieser insgesamt 100 Vorfälle eingeräumt. Die wesentlich höheren Zahlen der Anklage sahen die Oberrichter hingegen mangels Beweisen als nicht erwiesen an. Sie verwiesen dabei auf die Tatsache, dass die Aussagen des Beschuldigten das einzige Beweismittel für den eingeklagten Sachverhalt bildeten.

Aufgrund der Reduktion der Tatschwere und des freiwilligen Geständnisses des Seniors kam das Obergericht zu einer deutlichen Strafsenkung auf noch drei Jahre teilbedingt. 21 Monate davon legte es auf Bewährung fest, bei einer maximalen Probezeit von fünf Jahren. 15 Monate der Freiheitsstrafe soll der Beschuldigte im Gefängnis verbüssen. Die Oberrichter liessen vor allem das Geständnis, auf welchem die Anklage basierte, wesentlich strafmindernd in den Entscheid einfliessen.

Kontakt- und Rayonverbot

Im Gegensatz zum Hinwiler Gericht setzten die Oberrichter neu flankierende Massnahmen für den Beschuldigten fest, wie ein fünfjähriges Kontaktverbot zur Geschädigten. Zudem wurde ihm vom Obergericht ein Rayonverbot für allfällige Besuchszeiten der Geschädigten bei ihrer Mutter auferlegt.

Der Entscheid des Obergerichts ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Alle Parteien können den Fall mittels Beschwerde in Strafsachen ans Bundesgericht weiterziehen.

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