12.01.2020 03:14

GesundheitSenioren bekommen trotz Gefahren oft Schlafmittel

Je älter man ist, desto häufiger werden Medikamente mit dem Wirkstoff Benzodiazepin verschrieben. Experten aber warnen davor.

von
roy
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Gemäss der Studie nehmen rund 26 Prozent der über 80-Jährigen Medikamente mit dem Wirkstoff Benzodiazepin zu sich. (Symbolbild)

Gemäss der Studie nehmen rund 26 Prozent der über 80-Jährigen Medikamente mit dem Wirkstoff Benzodiazepin zu sich. (Symbolbild)

Reuters/Yves Herman
Bei den zwischen 65 und 69 Jahre alten Senioren sind dies noch 16 Prozent.

Bei den zwischen 65 und 69 Jahre alten Senioren sind dies noch 16 Prozent.

Keystone/Christian Beutler
Medikamente mit diesem Wirkstoff aber können abhängig machen.

Medikamente mit diesem Wirkstoff aber können abhängig machen.

Eine Studie der Lausanner Universität hat den Schlafmittelkonsum in der Schweiz untersucht. Dabei haben die Wissenschaftler 69'005 Personen im Alter über 65 Jahre einbezogen. Die anonymisierten Daten der Krankenkasse Groupe Mutuel aus dem Jahr 2017 zeigen, dass die Zahl der Verschreibungen von Medikamenten mit dem Wirkstoff Benzodiazepin mit dem Alter zunimmt, schreibt die «SonntagsZeitung»: Während rund 16 Prozent der Senioren zwischen 65 und 69 diese Mittel einnehmen, sind es bei den über 80-Jährigen 26 Prozent.

Die Wissenschaftler stellen zudem fest, dass 16 Prozent der Betroffenen zu viel und über einen zu langen Zeitraum diese Medikamente schlucken. Obwohl die Schweizerische Fachgesellschaft für Geriatrie empfiehlt, bei älteren Menschen «keine Benzodiazepine als Mittel der ersten Wahl gegen Schlaflosigkeit, Unruhezustände oder Verwirrtheit» zu verordnen.

Jürg Beer, Direktor und Chefarzt des Departements Innere Medizin im Kantonsspital Baden, geht noch weiter: «Älteren Menschen sollten möglichst gar keine Benzodiazepine verschrieben werden.» Denn die Nebenwirkungen dieser Medikamente haben es in sich: Abhängigkeit, Schwindel, Gangunsicherheit und Stürze, die nicht selten mit Frakturen einher gehen. Auch können Verwirrtheit und Atemnot auftreten. Aufgrund dieser Begleiterscheinungen kommt es zudem vermehrt zu Verkehrsunfällen. Die Studie, die der SonntagsZeitung vorliegt, zeigt, dass Frauen Benzodiazepine etwa doppelt so häufig konsumieren wie Männer.

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