Adliswil ZH: Seniorin prügelte in Notwehr
Aktualisiert

Adliswil ZHSeniorin prügelte in Notwehr

Tatort Treppenhaus: Eine Seniorin soll laut Anklage eine Nachbarin geschlagen und zerkratzt haben. Laut Obergericht hat sie aber in Notwehr gehandelt.

von
Attila Szenogrady

Es war am 12. Januar 2009, als im Treppenhaus einer Adliswiler Liegenschaft zwei längst verfeindete Nachbarinnen am Vormittag aneinander gerieten. Zuerst giftelten sich die beiden Schweizerinnen mit beleidigenden Worten gegenseitig an. Dann verlegten sie sich auf einen veritablen Ringkampf.

Dabei trug die 1935 geborene Seniorin über die um rund 25 Jahre jüngere Gegnerin den Sieg davon. So schlug sie laut Anklage ihrer Kontrahentin nicht nur eine Zeitung ins Gesicht, sondern kratzte sie auch im Halsbereich und am Oberkörper. Immerhin zog sich die auch Rentnerin nach einem Sturz einen verstauchten Daumen zu.

Rentnerin zuerst verurteilt

Nach gegenseitigen Strafanzeigen setzte sich der Streit vor den lokalen Justizbehörden fort. Wobei die Untersuchungsbehörden das Verfahren gegen die jüngere Frau bald einstellten. Im Gegensatz zur Seniorin, die im Oktober vor einem Jahr vom Bezirksgericht Horgen wegen Tätlichkeiten mit 400 Franken gebüsst wurde. Das Gericht stützte sich dabei auf Polizeifotos ab. Sie zeigten die Kratzspuren an Hals und Oberkörper der Geschädigten auf.

Katze als Täterin?

Die Seniorin legte Berufung ein und machte kürzlich vor Obergericht geltend, dass sie ihre Nachbarin gar nicht gekratzt habe. Vielmehr sei es die Katze des Opfers gewesen. Es trage sie oft auf den Armen. Dabei sei die Geschädigte wohl vom Tier verletzt worden, wandte sie ein.

Das Obergericht ging auf diesen Punkt allerdings gar nicht ein. Es hielt vielmehr fest, dass die Geschädigte der Beschuldigten im Treppenhaus gefolgt sei und gestossen habe. Deshalb sei die Seniorin berechtigt gewesen, den Angriff abzuwehren, ist dem Urteil zu entnehmen.

Freispruch und Geld dank Notwehr

Das Obergericht ging deshalb von einer berechtigten Notwehr aus und sprach die betagte Adliswilerin von Schuld und Strafe frei. Die Verfahrenskosten wurden auf die Gerichtskasse genommen. Der erneut siegreichen Rentnerin wurde nicht nur eine Prozessentschädigung von 4000 Franken, sondern auch eine Umtriebsentschädigung von 200 Franken zugesprochen. Die Nachbarin ging dagegen leer aus.

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