Aktualisiert 28.01.2010 15:48

Senkung des Mindestumwandlungssatzes

Da die Pensionskassen die letzten zwölf Jahre weniger Rendite erzielen konnten als zuvor, soll der Umwandlungssatz gesenkt werden. Dagegen wurde das Referendum ergriffen.

Reicht das angesparte Kapital? Rentnerin in einer Alterssiedlung

Reicht das angesparte Kapital? Rentnerin in einer Alterssiedlung

Der Umwandlungssatz in einer Pensionskasse ist der Prozentsatz des angesparten Kapitals, der den Pensionären als Rente ausbezahlt wird. Er hängt unter anderem davon ab, wie viel Zins/Rendite die Pensionskasse auf dem angesparten Kapital erzielen kann.

Aufgrund der zurückgegangenen Rendite soll der Umwandlungssatz nun um 0,4% auf 6,4% gesenkt werden. Dagegen wurde das Referendum ergriffen, weshalb diese Vorlage zur Abstimmung vors Volk kommt.

Was ist der Umwandlungssatz?

Der Umwandlungssatz wandelt das von jeder Person angesparte Pensionskassenguthaben in eine Rente um. Er ist so gewählt, dass im Durchschnitt das angesparte Kapital des Pensionärs genau bis zu seinem Tod reicht.

Heute gilt ein Mindestumwandlungssatz von 6,8%. Hat also beispielsweise eine Person zum Zeitpunkt der Pensionierung 100 000 Franken in der Pensionskasse angespart, bekommt sie eine jährliche Rente von 6800 Franken.

Der Umwandlungssatz und dadurch auch die Rente hängen von der Lebenserwartung einer durchschnittlichen Person und der Verzinsung des Kapitals ab. Je länger die Person lebt, desto tiefer müssen der Umwandlungssatz und die Rente sein, damit das gesparte Geld reicht. Je mehr Zins das Kapital pro Jahr erzielt, desto höher kann der Umwandlungssatz sein, da mehr Geld für die Renten zur Verfügung steht.

Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung wurde bereits mit der 1. BVG-Revision der Prozentsatz von 7,2% auf 6,8% gesenkt. Der Satz soll nun nochmals auf 6,4% gesenkt werden, weil gemäss Bundesrat und Parlament weniger Zins auf dem Kapital erzielt werde. Bei den 6,4% handelt es sich um das Minimum, welches die Pensionskassen bezahlen müssen. Geht es der Pensionskasse gut, darf sie weiterhin höhere Renten auszahlen.

Was wird geändert?

Die wichtigste Änderung ist die schrittweise Senkung des Mindestumwandlungssatzes bis 2015 von 6,8% auf 6,4%. Damit wird berücksichtigt, dass man zukünftig nur noch mit einer Verzinsung von 4% statt 4,5% pro Jahr rechnet. Dies entspricht der durchschnittlichen Verzinsung, welche die Pensionskassen zwischen 1997 und 2007 erreicht haben. In den letzten zwei Jahren lag die Verzinsung aufgrund der Finanzkrise jedoch noch tiefer, was aber in der Berechnung des neuen Mindestumwandlungssatzes nicht berücksichtigt wurde.

Nicht betroffen von dieser Änderung sind Renten, die bereits bezogen werden. Auch die Barauszahlung des Vorsorgekapitals, die möglich ist bei einer Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit, einer definitiven Ausreise aus der Schweiz oder falls das ausbezahlte Kapital unter dem Jahresbeitrag liegt, wird nicht verändert.

Auswirkungen

Bei einer Annahme der Vorlage wird der Umwandlungssatz auf 6,4% gesenkt, so dass ein Pensionär mit einem Vorsorgekapital von 100 000Argumente der Befürworter

Die Befürworter argumentieren, dass der Umwandlungssatz heute von unrealistisch hohen Renditen von 4,5% ausgehe. Dies zwinge die Pensionskassen dazu, riskante Anlagestrategien zu fahren und somit das Vorsorgekapital zu gefährden.

Zudem werde die Bevölkerung immer älter. Die unterstellte Lebenserwartung von 83,65 Jahren in der 1. BVG-Revision sei unterschätzt worden. Neu werde erwartet, dass die durchschnittliche Lebenslänge 85,37 Jahre beträgt, was mit der Senkung des Umwandlungssatzes berücksichtigt sei.

Die Befürworter führen weiter an, dass bei einer Ablehnung der Vorlage die Pensionskassen mehr Geld ausbezahlen müssten, als jeder angespart habe. Dies führe dazu, dass das Rentenkapital der Jungen auf die heutigen Rentner umverteilt werde. Kommt die heutige junge Generation dann in ihr Rentenalter, sei für diese kein Geld mehr vorhanden.

Schliesslich sei der Umwandlungssatz nur eine Mindestvorschrift. Sollte mehr Zins erzielt werden, könnten die Pensionskassen weiterhin mehr auszahlen.

Argumente der Gegner

Die Gegner argumentieren, dass die Renditeerwartungen von Bundesrat und Parlament ungewöhnlich pessimistisch seien. Eine Rendite von 4,5% sei langfristig in Zukunft durchaus wieder möglich, wenn tiefere Gebühren verlangt und risikoreichere Anlagen gewählt werden.

Zudem sei die höhere Lebenserwartung schon in der 1. BVG-Revision mit der Senkung auf 6,8% korrekt eingerechnet worden. Seitdem habe aber kein sprunghafter Anstieg mehr stattgefunden, so dass dieses Argument entfalle.

Weiter führen die Gegner aus, dass bei einer Anpassung des Umwandlungssatzes auch die Renten verkleinert würden. Damit würde mit der Senkung weniger Geld für die täglichen Ausgaben zur Verfügung stehen. Das sei vor allem ein Problem für Personen mit einem niedrigen Vorsorgekapital. Dies könne dazu führen, dass Sozialleistungen bezogen werden müssten, was höhere Sozialkosten für die gesamte Schweiz bedeute. Aber auch der gewohnte Lebensstandard von Personen in höheren Einkommensklassen sei mit einer Anpassung im Rentenalter gefährdet.

Schliesslich sei die Vorlage schlicht zu übereilt und schüre nur die Angst bezüglich der Altersvorsorge. Sollten auch zukünftig keine höheren Renditen erzielt werden, sei genügend Zeit, den Umwandlungssatz zu senken.

Parolen

Ein «Ja» emp­feh­len:

Bun­des­rat und Par­la­ment, BDP, CVP, EVP, FDP, SVP

Ein «N­ein» emp­feh­len:

Grü­ne, SP

Diesen Text hat die politisch neutrale Informationsplattform Vimentis (siehe Box) verfasst.

Vimentis ist eine Plattform, die sich für bessere politische Entscheide in der Schweiz einsetzt. Mithilfe von neutralen Informationen sollen alle Bürger bei Abstimmungen eine eigene Entscheidung treffen. Vimentis ist parteipolitisch neutral und wird von den fünf grössten schweizer Parteien unterstützt.

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