Sensationelles Ergebnis für Platzeck
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Sensationelles Ergebnis für Platzeck

Mit einem sensationellen Ergebnis ist Matthias Platzeck zum neuen SPD-Vorsitzenden gewählt worden. Er erzielte das beste Ergebnis seit fast 60 Jahren.

Auf dem Parteitag in Karlsruhe stimmten am Dienstag 99,4 Prozent der 515 Delegierten für den brandenburgischen Ministerpräsidenten. Es gab nur zwei Gegenstimmen und eine Enthaltung. Platzeck reagierte gerührt auf die grosse Zustimmung. «Ich nehme die Wahl sehr, sehr gerne an.» In der «Stunde grosser Freude» müsse man aber «die Füsse fest am Boden halten». Er wolle alles tun, um das Vertrauen zu rechtfertigen.

Der 51-jährige Platzeck erzielte das beste Ergebnis eines SPD-Vorsitzenden seit fast 60 Jahren. Von seinen neun Vorgängern nach dem Zweiten Weltkrieg hatte nur Kurt Schumacher 1946, 1947 und 1948 noch besser abgeschnitten. Platzeck scherzte, ein ostdeutscher Parteikollege habe zu ihm gesagt, das Wahlergebnis erinnere an alte Zeiten. «Es ist aber ganz regulär und demokratisch zu Stande gekommen», versicherte er.

Platzeck löst Franz Müntefering nach nur 20 Monaten an der Parteispitze ab. Müntefering hatte seinen Rückzug angekündigt, nachdem er seinen Favoriten Kajo Wasserhövel nicht als neuen Generalsekretär durchsetzen konnte. In der neuen Bundesregierung wird Müntefering Arbeitsminister und Vizekanzler sein.

Platzeck ruft Partei zur Geschlossenheit auf

Vor seiner Wahl hatte Platzeck die SPD zu mehr Geschlossenheit aufgerufen. Unter den Sozialdemokraten müsse es eine Kultur des Vertrauens, der Zusammenarbeit und des Miteinanders geben, sagte er. «Daran sind in den vergangenen Wochen gewisse Zweifel entstanden.»

Der Brandenburger fügte hinzu: «Nur wenn wir selbst zu Kooperation und Gemeinsamkeit im Stande sind, werden wir die Menschen in Deutschland von der Kraft unserer Ideen und Konzepte überzeugen - sonst nie.» Nur eine lebendige SPD könne auch Strahlkraft entwickeln.

Platzeck ging konkret auf den so genannten Putsch gegen Müntefering ein, der von dem Netzwerker Hubertus Heil mitorganisiert worden war, der jetzt Generalsekretär werden soll. «In unserer Partei sind in den vergangenen Wochen Fehler gemacht worden, auch Hubertus hat nicht immer nur alles richtig gemacht», sagte Platzeck. Aber die SPD brauche mehr junge politische Talente in ihren Reihen.

«Wir können es uns nicht erlauben, auch nur einen oder eine einzige unterwegs zu verlieren», sagte der Brandenburger. Das gelte ausdrücklich auch für Andrea Nahles, die im Vorstand gegen Wasserhövel für den Generalsekretärsposten kandidiert hatte. «Und darum sollten wir jetzt einen dicken Strich unter die Turbulenzen der vergangenen Wochen ziehen und nach vorne blicken.»

Grosse Koalition als Ideenwettbewerb

Platzeck sagte, er teile nicht die Befürchtung einiger in der SPD, die Partei könne in der grossen Koalition Identität und Profil verlieren. In einem solchen Bündnis werde vor allem die Fähigkeit zum intelligenten Kompromiss gebraucht. «Denn der Wettbewerb um die besseren Ideen für unser Land wird durch die grosse Koalition nicht ausgesetzt.»

Der Ministerpräsident sieht die SPD als Bildungspartei und Partei für Kinder und Familien. Sie müsse daran mitarbeiten, in Deutschland eine neue Grundhaltung des gemeinsamen Zupackens zu entwickeln. Zupackende Menschen seien die zufriedeneren Menschen. «Deshalb wünsche ich mir die SPD als eine Partei zupackender und optimistischer Menschen in einem tatkräftigen Land.»

Als «Signal von Karlsruhe» wünschte sich der 51-Jährige, dass die SPD eine lernfähige und eine lernende Partei sei. Auch Sozialdemokraten machten Fehler - «aber sie machen nicht mehrmals hintereinander dieselben Fehler».

(dapd)

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