Aktualisiert

Sensationslüsterne Medien mitschuldig an Kosovo-Clash

Unverantwortliche und sensationslüsterne Berichterstattung der Medien war für die jüngsten Unruhen im Kosovo mit 19 Toten mitverantwortlich, wie die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Donnerstag erklärte.

Die kosovo-albanischen Sender hätten den Berichten über das Ertrinken von zwei albanischen Jungen am 16. März eine eindeutige Tendenz gegeben, sagte OSZE-Medienvertreter Miklos Haraszti in Wien. Der Zwischenfall war Auslöser der Unruhen.

Ursprünglich hatte es geheissen, Serben hätten die Opfer in einen Fluss getrieben; über den genauen Ablauf der Ereignisse herrscht allerdings Unklarheit. Haraszti erklärte, die Medien im Kosovo hätten den Zwischenfall nicht in unparteiischer Art dargestellt, sondern den Schluss gezogen, dass der Tod der Jungen auf einen ethnisch motivierten Angriff zurückzuführen gewesen sei. Ohne dies hätten die Unruhen vielleicht nicht ein derart brutales Ausmass erreicht, vielleicht hätten sie auch gar nicht stattgefunden, sagte Haraszti in einem Bericht für den ständigen Rat der OSZE, der 55 Länder angehören.

Die wichtigsten Sender hätten dem ethnischen Frieden und der Demokratie im Kosovo einen schlechten Dienst erwiesen, indem sie eine voreingenommene Berichterstattung geliefert hätten. Darüber hinaus hätten die Sender über die anschliessende Gewalt in «rechtfertigender, fast unterstützender» Weise berichtet. In den Tagen nach dem Tod der Jungen griffen Albaner die serbische Minderheit an, setzten serbisch-orthodoxe Kirchen in Brand und zwangen 4.000 Serben zur Flucht.

Haraszti sprach von «einseitigem, sorglosem und unprofessionellem Journalismus». Der OSZE-Vertreter forderte unter anderem eine Verbesserung der Ausbildung junger Journalisten im Kosovo. (dapd)

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