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Fussball-AnalyseSensoren aus der Schweiz messen das Dribbling

Professionelle Spielanalysen sind im Fussball wichtig – aber aufwändig. Mikrosensoren aus der Schweiz sollen das nun ändern.

von
Stéphane Praz
Bald schon könnten Mikrosensoren jede ihrer Bewegungen aufzeichnen: Vanessa Buerki (rechts) im Zweikampf mit Dora Maria Larusdottir aus Island.

Bald schon könnten Mikrosensoren jede ihrer Bewegungen aufzeichnen: Vanessa Buerki (rechts) im Zweikampf mit Dora Maria Larusdottir aus Island.

Am 6. Juni beginnt die Fussball-Weltmeisterschaft der Frauen. Während die Spielerinnen Tore jagen, werden Trainer und Teamärzte Daten sammeln. Denn exakte Messwerte zu Ballbesitz, Passfolgen oder Antrittsgeschwindigkeit der Spielerinnen sind im Spitzenfussball immer wichtiger. Sie liefern Grundlagen für die Spieltaktik und bestimmen den Trainingsplan. Doch bisherige, meist videobasierte Messsysteme sind aufwändig und teuer.

Auf eine neue Lösung setzt das Schweizer Start-up-Unternehmen Axiamo: Mikrosensoren, keine zehn Gramm schwer, so gross wie ein Zweifrankenstück und günstig herzustellen. Eingebaut in Schienbeinschoner, messen sie unter anderem Beschleunigungen und Drehbewegungen des Trägers.

Spezielle Anforderungen

Bereits bewährt haben sich solche Sensoren im Laufsport, doch im Fussball stellen sich andere Anforderungen: Es interessiert nicht nur, wohin und wie schnell sich die Sportlerin bewegt, sondern man will auch Sprünge oder Drehungen um die eigene Achse erfassen. «Dafür reichen die Daten von nur zwei Sensoren – je einer pro Bein», sagt Michael Gasser, CEO von Axiamo.

Kombiniert man diese Daten richtig, lassen sich sogar Kopfbälle oder Dribblings herauslesen. «Die grosse Herausforderung liegt darin, in einer geeigneten Software alle im Fussball möglichen Bewegungen zu definieren und mit den Messdaten zu verknüpfen», so Gasser. Bis in einem Jahr soll die Software bereit sein. Das würde Spielanalysen in Echtzeit ermöglichen – auf dem Tablet direkt am Spielfeldrand.

Wohin Profisportler blicken

In vielen Sportarten ist das Blickverhalten der Athleten zentral. Eishockeyprofis etwa folgen dem Puck mit den Augen anders als Amateure, wie Studien zeigen. Wer also sein Auge schult, verbessert seine Leistung. Grundlage dafür ist eine Blickanalyse. Hierzu haben Fachhochschule und Universität Bern eine ultraleichte, doch robuste Kamerabrille entwickelt. Diese soll auch dann weiterfilmen, wenn der Träger mal nach einem Bodycheck an die Bande prallt. Noch ist die Brille ein Prototyp, doch schon bald könnte sie im Training Anwendung finden.

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