Meisterportrait 2019: Seoane ist Meister und Spycher der Champion
Aktualisiert

Meisterportrait 2019Seoane ist Meister und Spycher der Champion

Die Titelverteidigung ist eindrücklich geglückt. Die Young Boys deklassieren mit einem unerfahrenen Trainer die Konkurrenz. Das verdient höchsten Respekt.

von
E. Tedesco

Grenzenloser Jubel bei YB: Die Spieler feiern den Meistertitel 2019 gemeinsam vor dem TV. (Video: Twitter/BSC_YB)

Erstmals seit 32 Jahren stieg YB im Sommer 2018 als Meister in die Saison. Die Berner konnten befreit von den Fesseln der Vergangenheit zur Mission Titelverteidigung starten. Nach vielen komplizierten Jahren waren die Perspektiven aus sportlicher und wirtschaftlicher Sicht glänzend.

Offene Fragen waren diesmal: Würde YB mit der neuen Rolle als Gejagter klarkommen? Und wie verkraftet man den Abgang von Erfolgstrainer Adi Hütter, der zur Eintracht nach Frankfurt weitergezogen war? Diesen mitunter schmerzhaften Prozess der Emanzipation hatte der FC Basel in den Jahren zuvor perfektioniert, schaffte zwischen 2010 und 2017 acht Titel in Folge mit fünf verschiedenen Trainern. Würde YB Ähnliches gelingen?

Die Antworten lieferten die Berner rasend schnell. Sie holten zum frühesten Zeitpunkt in der Geschichte der Super League ihren 13. Titel, nach nur 29 Runden. YB spielt unter Hütter-Nachfolger Gerardo Seoane unverändert vertikalen Fussball – mutig, überzeugend, spektakulär, stabil. Natürlich wirkt die Überlegenheit erdrückend, weil die Konkurrenz viel zu viele Fehler gemacht hat. Allen voran der FC Basel. Das ist aber nicht das Problem der Berner und soll ihren Erfolg in keiner Weise schmälern.

Ins (Gelb)-Schwarze getroffen

Vielmehr muss man Christoph Spycher wieder ein Kränzchen winden. Er hat es geschafft, die letztjährige Meistermannschaft bis auf wenige Ausnahmen zusammenzuhalten. Den wichtigsten Transfer machte Spycher neben dem Platz: Er hat mit dem ersten Cheftrainer, den er als Sportchef zu verantworten hat, ins (Gelb)-Schwarze getroffen. Auf den ersten Blick erschien es riskant, mit Seoane einen Mann zu verpflichten, der nur ein halbes Jahr Erfahrung in der Super League mitbrachte. Doch Spycher hatte Seoane schon seit Jahren beobachtet und war sich sicher: Dieser junge Trainer passt perfekt ins Anforderungsprofil.

Seoane gebührt Respekt für die Moderation einer überragenden Saison. Trotz der Doppelbelastung mit der Champions-League-Premiere – YB holte in der Gruppe mit Juve, Manchester United und Valencia vier Punkte – führte der 40-Jährige die Mannschaft mit Stil und ohne Nebengeräusche durch die Meisterschaft. In der Liga hat YB unter Seoane bisher lediglich einmal verloren. Selbst mit riesigem Vorsprung auf den ersten Verfolger Basel liess er kein Nachlassen zu, er nutzte Emotionen und Konkurrenzkampf als Antrieb, um die Mannschaft auf hohem Level halten zu können.

YB kann den FCB auf Jahre ablösen

Nach dem Titel 2018 fand der grosse Umbruch nicht statt. Diesmal ist aber davon auszugehen, dass es einige Veränderungen geben wird. Sorgen muss sich Spycher nicht machen. Die Kasse ist dank der 30 Millionen Franken aus der Champions League gut gefüllt. Und die Weichen sind gestellt. Spycher gab mit seiner Vertragsunterschrift den Kurs zur Kontinuität vor. Seoane kann in der nächsten Saison seine Ideen noch besser einbringen. YB ist befreit von den Fesseln der Vergangenheit und fit für die Zukunft. Die Young Boys können den FC Basel als Branchenleader auf Jahre hinaus ablösen. Was für eine Perspektive.

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