«Cheonan»-Untergang: Seoul beschuldigt offen Nordkorea
Aktualisiert

«Cheonan»-UntergangSeoul beschuldigt offen Nordkorea

Zunächst waren es nur Andeutungen, doch nun macht Südkorea erstmals offen den Norden für den Untergang eines Kriegsschiffes verantwortlich.

Das Heck der auseinandergeborstenen Cheonan wird geborgen (15. April 2010).

Das Heck der auseinandergeborstenen Cheonan wird geborgen (15. April 2010).

Eineinhalb Monate nach dem rätselhaften Untergang des südkoreanischen Kriegsschiffes «Cheonan» im Gelben Meer hat Seoul erstmals offen Nordkorea beschuldigt, für die Tragödie verantwortlich zu sein. Der südkoreanische Aussenminister Yu Myung Hwan sagte am Mittwoch vor Journalisten, eine Verwicklung Nordkoreas in den Fall sei «offensichtlich». Die Beweise reichten zudem aus, um den UNO- Sicherheitsrat einzuschalten, fügte er hinzu.

Die offiziellen Untersuchungsergebnisse sollen am Donnerstag vorliegen. Nach Angaben eines US-Beamten werden die Ermittler Beweise vorlegen, dass Nordkorea die «Cheonan» mit einem Torpedo angegriffen habe. Die Beweislast gegen Pjöngjang sei erdrückend, sagte der Beamte, der anonym bleiben wollte.

Südkoreanische Zeitungen veröffentlichten am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise einige angebliche Details der Untersuchung. Demnach sehen Teile des gefundenen Torpedo-Propellers einem nordkoreanischen Modell ähnlich, das vor sieben Jahren in den Besitz des demokratischen Südens gelangte. Die Seriennummer des Torpedos sei zudem in einer Schriftart geschrieben, die typisch für Nordkorea ist. Der Geheimdienst mache ein nordkoreanisches U-Boot für den Angriff verantwortlich.

Präsident telefonierte mit Obama

Das südkoreanische Verteidigungsministerium wollte die Berichte zunächst nicht bestätigen. Den Informationen der Nachrichtenagentur Yonhap und der Zeitung «Chosun Ilbo» zufolge machte auch der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak in einem Telefonat mit seinem US-Kollegen Barack Obama in dieser Woche bereits den Norden für den Untergang der «Cheonan» verantwortlich.

Das Kriegsschiff war Ende März gesunken, dabei waren 46 Menschen ums Leben gekommen. Die Führung in Pjöngjang wies bislang jede Verwicklung in den Vorfall zurück. An der Seegrenze zwischen den beiden koreanischen Staaten hatte es in der Vergangenheit wiederholt Gefechte gegeben. (sda/dapd)

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