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Versteckte KamerasSeoul sagt WC-Spannern den Kampf an

Auf südkoreanischen Toiletten wimmelt es von Kameras, die Frauen filmen. Ein spezielles Team ist unterwegs, um Voyeuren das Handwerk zu legen.

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Kampf gegen WC-Spanner in Südkorea: Eine Sondereinheit spürt versteckte Kameras mit Detektoren auf. (Quelle: AFP/ TamediaWebvideo)

In Südkoreas Hauptstadt Seoul sucht ein Team von sogenannten Kamera-Jägerinnen öffentliche Frauentoiletten ab, um versteckte Funkkameras zu entfernen. Das Sicherheitsteam fährt mit Kamera-Detektoren über Türknäufe, Toilettensitze, Papierrollenhalter und sogar über Lüftungsgitter. Der Grund: WC-Voyeurismus ist in den Toilettenanlagen in Südkorea weit verbreitet.

Molka nennt sich diese besondere Art von Spannertum. Dabei werden Frauen bei der Notdurft gefilmt. Die Videos landen dann auf besonderen Porno-Websites. «Es ist unglaublich, dass einige Männer daran Spass finden», sagt Kamera-Jägerin Park Kwang-Mi (49) zur Nachrichtenagentur AFP. Es sei nun ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich Frauen auf den Toiletten wieder sicher fühlten.

Spanner benutzen spezielle Apps

Die WC-Bespitzelung verdeutlicht einen Konflikt, der schon seit Jahren in Südkorea schwelt: Auf der einen Seite ist das Land stolz über seine hoch technologisierte Gesellschaft, auf der anderen Seite stecken die Rechte der Südkoreanerinnen in den Kinderschuhen. Noch heute muss sich eine Frau ihrem Vater unterordnen, bis sie heiratet. Nach der Heirat bleibt sie ihrem Ehemann untergeordnet, bis der stirbt. Danach muss sich die Frau ihrem Sohn unterordnen.

Moderne Werkzeuge in Kombination mit einem sehr konservativen Frauenbild haben eine Armee von technisch versierten Voyeuren hervorgebracht, so der Bericht. In den letzten Jahren sei der Trend so verbreitet gewesen, dass Smartphone-Hersteller verpflichtet waren, nur noch Geräte zu verkaufen, auf denen das Klick-Geräusch beim Fotografieren nicht abgestellt werden konnte.

Inzwischen grassieren im Netz spezielle Ausspäh-Apps, mit denen Spanner Frauen unter die Röcken filmen können. Mit der Software lässt sich nicht nur das Klicken der Kameras ausschalten, sie zeigt zum Beispiel auch andere Bilder auf den Bildschirmen, während die Kamera eigentlich eine Frau filmt.

Sex-Tabu muss gebrochen werden

«Ich vermeide öffentliche WCs und wenn ich mal muss, dann überprüfe ich alles, bevor ich die Toilette benutze», sagt die Büroangestellte Lee Hae-Kyung (38). Besonders Angst mache ihr die Tatsache, dass die Voyeure überall sein können. «Es sind normale Männer in Anzügen, die hinter dir an der Haltestelle stehen und dir vielleicht gerade unter den Jupe filmen», sagt sie.

Für Lee Na-Young, Soziologie-Professorin an der Universität Hanyang in Seoul, kann nur ein gesellschaftlicher Wandel eine Verbesserung bringen. «Das Tabu rund um das Thema Sex muss gebrochen werden.» Südkoreaner seien sehr verklemmt. Das führe dazu, dass Frauen als Sex-Objekte betrachtet und diskriminiert werden. Molka sei «eine schlechte Beziehung zwischen einer raschen Entwicklung der Technologie und der langsamen Entwicklung einer patriarchalischen Kultur».

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