Aktualisiert 05.07.2014 13:31

Unruhe in OstukraineSeparatisten fliehen aus Slowjansk

Wochenlang tobten um Slawjansk Gefechte, für die prorussischen Rebellen in der Ostukraine war die Stadt ein wichtiger Stützpunkt. Nun mussten sie ihn räumen.

Die ukrainische Regierung meldet einen wichtigen militärischen Erfolg im umkämpften Osten des Landes: Das Militär hat nach heftigen Kämpfen in der Nacht zum Samstag die Rebellenhochburg Slowjansk zurückerobert. Die prorussischen Separatisten, die die Stadt mit rund 100000 Einwohnern seit April unter Kontrolle hatten, bestätigten ihren Abzug. Die angekündigten Verhandlungen über eine neue Feuerpause in der Ostukraine begannen noch nicht.

Diese sollten eigentlich spätestens am Samstag anfangen - so hatten es die Ukraine und Russland bei einem Treffen diese Woche in Berlin verabredet. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte am Freitag erklärt, er habe für die neue Verhandlungsrunde Ort und Zeit vorgeschlagen, habe aber noch keine Antwort.

Ukrainische Flagge gehisst

Während die diplomatischen Bemühungen also stockten, rücken die ukrainischen Regierungstruppen weiter gegen die Rebellen vor. Poroschenko erklärte am Samstag, er habe seinen Soldaten befohlen, die ukrainische Flagge über Slowjansk zu hissen. Die Stadt sei nach nächtlichen Gefechten wieder unter Kontrolle der Regierung.

Andrej Purgin von der abtrünnigen Volksrepublik Donezk sagte der Nachrichtenagentur AP, die Rebellen seien dabei, Slawjansk zu räumen. Die Angriffe der ukrainischen Armee hätten von der Stadt nur noch Ruinen übrig gelassen. Ein Rebellenkommandeur mit dem Kampfnamen Pinochet sagte der AP, die Kämpfer hätten sich in die Stadt Kramatorsk rund 20 Kilometer südlich von Slawjansk zurückgezogen.

Beschädigte Gebäude

Ein Taxifahrer berichtete der AP telefonisch aus Slawjansk, dass er die ganze Nacht über Bombenangriffe gehört habe. Diese hätten erst am Morgen aufgehört. Danach habe er seine Wohnung verlassen und festgestellt, dass alle Kontrollpunkte der Rebellen verlassen gewesen seien. Im Zentrum seien Gebäude beschädigt, aber der Rest der Stadt sei weitgehend intakt, sagte der Mann, der aus Angst vor Repressalien nur den Namen Alexej angab.

Poroschenko hatte am Montag eine zehntägige Waffenruhe für beendet erklärt und eine neue Militäroffensive gegen die Rebellen gestartet, die im Frühjahr ganze Regionen der Ostukraine für autonom erklärt hatten. Bereits am Freitag hatten die Regierungstruppen Erfolge vermeldet: Seit Montag seien 17 Dörfer zurückerobert worden, damit kontrolliere man nun 23 von 36 Regionen in den für unabhängig erklärten Provinzen Donezk undLugansk. Die grössten Städte der Region waren aber weiter unter Kontrolle der Rebellen.

Die Regierung in Kiew wirft Russland vor, die Aufständischen zu unterstützen und zu bewaffnen. Moskau weist das zurück. Seit Ausbruch der Kämpfe sind mehr als 400 Menschen ums Leben gekommen. (sda)

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