Aktualisiert 27.06.2011 21:28

Fussball-WM

Sepp Blatter und sein Tritt ins Fettnäpfchen

Die Fussball-WM der Frauen ist im Gang und Sepp Blatter längst wieder abgereist. Der Fifa-Präsident steht in Deutschland in der Kritik.

von
Sandro Compagno
Am Eröffnungsspiel war er da: Blatter zwischen Bundespräsident Wulff (l.) und Kanzlerin Merkel. (Keystone)

Am Eröffnungsspiel war er da: Blatter zwischen Bundespräsident Wulff (l.) und Kanzlerin Merkel. (Keystone)

Der 75-Jährige in seiner vierten Amtszeit als höchster Fussballer hat am Sonntag der WM in Deutschland seine Aufwartung gemacht. Blatter hielt eine Pressekonferenz in Berlin (Keine Fragen zu den jüngsten Korruptionsskandalen, bitte!) und liess mit launigen Aussagen tiefe Einblicke in sein Frauenbild zu. Der Sonnenkönig des Fussballs war schlecht vorbereitet angereist. So staunte er selbst über die niedrigen Prämien an der Frauen-WM: Gerade mal 6 Mio. Euro erhalten die 18 teilnehmenden Teams.

Mit Frauen-Fussball ist für die Fifa kein Geschäft zu machen. Trotzdem versprach Blatter, mit seiner Finanzabteilung das Gespräch zu suchen.

Die Zukunft des Fussballs ist weiblich, will der Walliser schon 1986 gesagt haben und fügt 2011 an: «Damals habe ich nicht einmal selbst dran geglaubt ...» Dass der Fifa-Boss manchmal Dinge von sich gibt, die er selber nicht glaubt, mag Kenner der Szene kaum überraschen. Vermutlich glaubt Blatter Blatter, wenn dieser an der gleichen Pressekonferenz sagt, man solle «die Frauschaften» früher fördern «als die Knaben». Vor allem die Begründung ist von geradezu erschlagender Logik: «Ab einem gewissen Alter haben die Frauen in der Gesellschaft eine andere Funktion, als Fussball zu spielen. Sonst haben wir bald keine jungen Fussballspieler mehr.» Das Eröffnungsspiel schaute sich Blatter übrigens neben der kinderlosen – obschon nachweislich nicht Fussball spielenden – Bundeskanzlerin Angela Merkel an.

Weitere Besuche der Fussball-WM der Frauen hatte der Walliser nicht geplant – vielleicht kommt er zum Halbfinal wieder.

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