Balkanstaaten anerkennen Kosovo: Serbien ist sauer
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Balkanstaaten anerkennen KosovoSerbien ist sauer

Die Anerkennung Kosovos durch die früheren jugoslawischen Republiken Mazedonien und Montenegro hat neue Spannungen auf dem Balkan ausgelöst.

Der serbische Präsident Boris Tadic sprach am Freitag von einer zutiefst falschen Entscheidung, «die gegen internationales Recht verstösst und nicht zur regionalen Stabilität und guten nachbarschaftlichen Beziehungen beiträgt». Noch am Donnerstag wurde der montenegrinische Botschafter ausgewiesen. Am Freitag wurde auch der mazedonische Gesandte aufgefordert, binnen 48 Stunden Belgrad zu verlassen.

Montenegro - das bis vor zwei Jahren mit Serbien einen gemeinsamen Staat bildete - und Mazedonien standen unter dem Druck der USA und einiger EU-Länder, die im Februar ausgerufene Unabhängigkeit des Kosovos anzuerkennen. Serbien betrachtet das Gebiet nach wie vor als seine Provinz. Das mehrheitlich von Albanern bewohnte Kosovo gilt vielen Serben als Wiege ihrer Nation und ihres orthodoxen christlichen Glaubens.

Tadic schrieb in einer Erklärung, die Anerkennung des Kosovos durch die beiden ehemals jugoslawischen Nachbarn sei das Ergebnis grossen politischen Drucks, «und die Zeit wird zeigen, dass die getroffenen Entscheidungen falsch waren». Der frühere Ministerpräsident Vojislav Kostunica forderte, Montenegro vor einem internationalen Gericht zu verklagen. Andere nationalistische Politiker riefen dazu auf, nicht mehr nach Montenegro zu reisen, den Luftverkehr zwischen beiden Staaten einzustellen und Strafmassnahmen gegen in Serbien lebende Montenegriner zu ergreifen.

Unabhängigkeitserklärung wird vom IGH geprüft

Montenegro und Mazedonien trafen ihre Entscheidungen an einem Tag, an dem Serbien im Streit um die Unabhängigkeit des Kosovos einen Erfolg bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen errungen hatte. Die Vollversammlung unterstützte einen Belgrader Antrag, die Rechtmässigkeit der kosovarischen Unabhängigkeitserklärung vom höchsten UN-Gericht, dem Internationalen Gerichtshof (IGH), prüfen zu lassen.

Der serbische Aussenminister Vuk Jeremic sagte dazu am Freitag, mit ihrer Anerkennung hätten Montenegro und Mazedonien die Auswirkungen des serbischen Erfolges bremsen wollen.

Der kosovarische Ministerpräsident Hashim Thaci sagte, die Anerkennung durch Montenegro und Mazedonien sei nicht gegen Serbien gerichtet. Sie bringe vielmehr Frieden und Stabilität und helfe, die Region in EU und NATO zu integrieren. Montenegros Aussenminister Milan Rocen bezeichnete die Ausweisung des montenegrinischen Botschafters aus Belgrad als überstürzt. (dapd)

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