Verhaftung von Mladic: Serbien spielt seinen grössten Trumpf aus
Aktualisiert

Verhaftung von MladicSerbien spielt seinen grössten Trumpf aus

Die EU hat die Verhaftung Mladics immer zur Bedingung für eine Kandidatur Serbiens gemacht. Nun wurde der Druck so gross, dass Belgrad nachgegeben hat.

von
Lukas Mäder
Keine weitere EU-Annäherung ohne Verhaftung Mladics: José Manuel Barroso (l.), Präsident der Europäischen Kommission, trifft am Donnerstag, 19. Mai, in Belgrad den serbischen Präsidenten Boris Tadic.

Keine weitere EU-Annäherung ohne Verhaftung Mladics: José Manuel Barroso (l.), Präsident der Europäischen Kommission, trifft am Donnerstag, 19. Mai, in Belgrad den serbischen Präsidenten Boris Tadic.

Dass die Festnahme des wegen Kriegsverbrechen gesuchten Ratko Mladic in Zusammenhang mit einer möglichen EU-Kandidatur Serbiens steht, hat der serbische Präsident Boris Tadic in seiner Medienkonferenz deutlich gemacht. «Ich hoffe, dass jetzt die Türen offen stehen», sagte er im Hinblick auf einen Beitritt zur EU. Serbien habe mit der Verhaftung seinen guten Willen gezeigt.

Tatsächlich hatte die EU Mladics Verhaftung immer zu einer Vorbedingung für die weitere Integration Serbiens in Europa gemacht. Bei einem Besuch in Belgrad letzte Woche sagte José Manuel Barroso, Präsident der Europäischen Kommission, es liege in der Macht Serbiens. Jelko Kacin, Berichterstatter des Europäischen Parlaments, stellte Serbien am Samstag den Status eines EU-Kandidaten bis Ende Jahr in Aussicht. Beitrittsgespräche könnten Anfang 2012 beginnen. Doch dafür müsste neben Mladic auch der mutmassliche Kriegsverbrecher Goran Hadzic gefasst werden. Weiter seien politische Reformen nötig. Tadic bekräftige am Donnerstag bereits den Willen, Hadzic ebenfalls bald zu verhaften.

Srebrenica als niederländisches Trauma

Innerhalb der EU beharrten insbesondere die Niederlande auf einer harten Haltung gegenüber dem südosteuropäischen Land. Diese Position hatte der holländische Aussenminister Uri Rosenthal erst am Mittwoch in einem Interview mit der Belgrader Zeitung «Vecernje Novosti» nochmals bekräftigt. Für die Niederlande hat die Verhaftung Mladics eine spezielle Bedeutung. Zum Schutz der muslimischen Exklave Srebrenica waren im Juli 1995 holländische Uno-Blauhelmsoldaten stationiert, als bosnisch-serbische Soldaten unter dem Kommando Mladics einmarschierten und anschliessend gegen 8000 Bosnjaken umbrachten. Das Bild, wie der Dutchbat-Kommandant zusammen mit Mladic ein Gläschen erhebt, ging um die Welt. 2002 trat die damalige niederländische Regierung zurück, nachdem ein unabhängiger Untersuchungsbericht die Blauhelme kritisiert hatte.

Dass die serbischen Spezialeinheiten Mladic ausgerechnet heute fassen konnten, scheint kein Zufall zu sein. Neben der klaren Haltung der EU drohte auch eine schlechte Bewertung durch Serge Brammertz. Der Chefankläger des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag präsentiert im Juni dem Uno-Sicherheitsrat einen Bericht über die Kooperation mit Serbien. Bereits war durchgesickert, dass die Bilanz negativ ausfallen wird. Im Hinblick darauf sagte Tadic denn auch nach Mladics Verhaftung, dass sich Brammertz Kritik nun in Luft auflöse.

Zur Begrüssung eine Verhaftung

Die serbische Regierung sei mit dem Rücken zur Wand gestanden, sagte der Belgrader Professor für Sicherheitspolitik, Zoran Dragisic, zu News-Plattform «B92». Deshalb sei er auch nicht überrascht gewesen. Es habe zwar bereits früher politischen Druck gegeben. Nun sei Mladic aber eine zu grosse Hypothek für die regierende Koalition geworden. «Angesichts der Aussagen von Serge Brammertz und dem Besuch von Catherine Ashton war klar, dass es fünf vor zwölf ist und Mladic ausgeliefert werden muss», sagte Dragisic. Die EU-Aussenbeauftragte Ashton besucht ausgerechnet am Donnerstag Belgrad. Tadic kann ihr nun nach Mladics Verhaftung selbstbewusster gegenübertreten.

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