Hochwasser auf dem Balkan: Serbien und Bosnien bitten um internationale Hilfe
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Hochwasser auf dem BalkanSerbien und Bosnien bitten um internationale Hilfe

Rekordregen hat in Bosnien und Serbien zu massiven Überschwemmungen geführt. Mindestens 25 Menschen sind schon gestorben. Das Schlimmste scheint noch nicht ausgestanden.

von
pwe

Auf dem Balkan sind Zehntausende Menschen auf der Flucht vor der katastrophalen Jahrhundertflut. Bis Samstag starben mindestens 25 Menschen, davon 17 in Bosnien und acht in Serbien. Allein in Bosnien sind rund eine Million Menschen betroffen, ein Viertel der Bevölkerung. In Serbien wird für Sonntagabend eine neue Flutwelle erwartet. Das grösste Kraftwerk des Landes ist in Gefahr.

Meteorologen zufolge ist dieses Hochwasser das schlimmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 120 Jahren. Innerhalb von drei Tagen sei so viel Niederschlag gefallen wie sonst in drei Monaten. Luftaufnahmen zeigten, dass rund ein Drittel Bosniens - vor allem der Nordosten - derzeit einem verschlammten See gleicht.

Aus der ostbosnischen Stadt Bijeljina wurden den Angaben zufolge rund 10000 Menschen in Sicherheit gebracht, nachdem das Wasser des Flusses Sava die Flutbarrieren überspült hat. In Bosnien starben laut den Behörden zwölf Menschen. Mehr Leichen könnten entdeckt werden, wenn das Wasser zurückgeht. An einigen Orten stieg die Flut bis zur ersten Etage der Häuser.

Zudem wurden rund 300 Erdrutsche gezählt, Dutzende Häuser und Autos wurden verschüttet. «Die kommen völlig ohne Vorwarnung in ein paar Sekunden», sagte Fahrudin Solak vom Zivilschutz. Viele Menschen verloren die Häuser, die sie nach dem Balkankrieg in Bosnien von 1992 bis 1995 wieder aufgebaut hatten.

Boote und Helikopter werden zur Evakuation eingesetzt

«Bosnien ist mit einer schrecklichen Katastrophe konfrontiert», sagte Bakir Izetbekovic, Chef des Präsidentschaftstriumvirats. «Wir sind uns immer noch nicht ganz im klaren über die tatsächlichen Ausmasse der Katastrophe. Wir müssen uns um Hunderte, Tausende Menschen kümmern.»

In Serbien nutzten Hilfsmannschaften und Soldaten Boote und Helikopter, um mehrere tausend eingeschlossene Menschen aus der Stadt Obrenovac nahe Belgrad zu retten. Die Fluten gefährden nun Serbiens Nikola-Tesla-Kraftwerk. Eine Kohlegruppe in der Nähe ist bereits überflutet. Ministerpräsident Aleksandar Vucic sagte, eine neue Flutwelle werde den Fluss Sava Sonntagabend erreichen. «Unsere Hauptsorge ist der Schutz des Kraftwerks», sagte er. «Wir tun alles, was wir können.»

Tausende Freiwillige sind dem Appell der Regierung gefolgt und bauen Deiche um die Städte, die in der Nähe des Flusses Sava liegen. Tausende in beiden Staaten waren nach wie vor von der Aussenwelt abgeschnitten.

Internationale Unterstützung erbeten

Nach Angaben der Behörden wurden in Serbien bis Samstag mehr als 16000 Menschen evakuiert. Viele von ihnen wurden in Turnhallen und Schulen untergebracht. Sie berichten, dass das Wasser oft in Minuten angestiegen sei. «Es ist alles weg. Alles, wofür wir gearbeitet haben, unsere Tiere, alles», sagte eine weinende Frau dem Sender Studio B.

Sowohl Serbien als auch Bosnien hatten am Freitag um internationale Unterstützung gebeten. Die EU, Deutschland, Österreich, Bulgarien, Luxemburg und Slowenien wollen helfen. In Serbien beteiligte sich auch ein russisches Notfallteam an den Rettungseinsätzen.

Sogar der serbische Tennisstar Novak Djokovic, der derzeit bei den Italian Open in Rom antritt, rief über Twitter zur Hilfe auf. «Hilfe für alle! Lasst uns die Menschen in Gefahr unterstützen! Beteiligt Euch an der Hilfsaktion», schrieb er über den Kurznachrichtendienst.

Spendenaufruf des Roten Kreuzes

Das Thema bewegt auch viele Leute in der Schweiz, die Verwandte und Bekannte in den betroffenen Gebieten haben und wie auch die grosse Anzahl an Zuschriften aus der 20-Minuten-Leserschaft zeigt.

Wer von hier aus helfen will, kann dem Spendenaufruf des Schweizerischen Roten Kreuzes folgen, den man hier findet. Auch das serbische Rote Kreuz sammelt über seine Facebook-Seite. (pwe/sda)

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