Arbeitserziehung: Serien-Sextäter schuldig gesprochen
Aktualisiert

ArbeitserziehungSerien-Sextäter schuldig gesprochen

Der 20-jährige Daniel G.* hat über Jahre minderjährige Mädchen missbraucht. Die Richter sprachen ihn nicht in allen Punkten schuldig: Statt 3,5 Jahre ins Gefängnis muss er in die Arbeitserziehung.

von
Deborah Sutter
Dietikon
Serien-Sextäter Daniel G.: So präsentierte sich der 20-Jährige seinen späteren Opfern.

Serien-Sextäter Daniel G.: So präsentierte sich der 20-Jährige seinen späteren Opfern.

Fünf Schülerinnen hat Daniel G. zwischen 2008 und 2010 missbraucht und vergewaltigt. Der 20-Jährige sass vor dem Bezirksgericht in Dietikon. Der auffällig kleine und jung wirkende G. war teilweise geständig: Die in der Anklageschrift beschriebenen Sachverhalte bestritt er zwar nicht, zum Sex mit den zwischen 13- und 15-jährigen Mädchen sei es aber einvernehmlich gekommen.

Warum er die Mädchen in Chats ansprach, ihnen eine Liebesbeziehung vorspielte und sie anschliessend vergewaltigte, konnte er dem Richter nicht erklären. «Nein», antwortete der sichtlich nervöse G. knapp dem Gericht auf eine entsprechende Frage. Überhaupt blieb der 20-Jährige wortkarg und sehr verschlossen: «Ich will dazu nichts sagen», war seine häufigste Antwort.

G. suchte aus U-Haft eine «kleine, süsse Maus»

Nur einmal wurde der aus schwierigen Verhältnissen kommende Sex-Täter emotional. «Das ist schwachsinnig», antwortete er dem Richter, als dieser Wissen wollte, was er vom Strafantrag der Staatsanwältin hält. Sie fordert eine Freiheitsstrafe von fünf Jahre sowie die stationäre Therapie. Die Therapie ist aus Sicht der Anklage nötig, weil G. «mittel bis hochgradig rückfallgefährdet ist». Der 20-Jährige sieht das offenbar anders.

Aus der U-Haft – in welcher G. sich seit Mai 2010 befindet – wollte er allerdings in einem Erotikmagazin ein Inserat aufgeben. Darin schrieb er, dass er nach einer «kleinen, süssen Maus» suche. Die Behörden fingen den Brief ab.

Urteil folgt am Nachmittag

In der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft sagte der Sex-Täter, dass die Frauen selber schuld seien, wenn sie sich auf ihn einlassen. «Ich bin ein Player», zitierte ihn die Staatsanwältin aus dem Einvernahmeprotokoll. Seine Opfer äusserten sich vor Gericht nicht: Es sei bereits alles gesagt, erklärte ein junges Mädchen vor Gericht.

G. hat offenbar Zukunftspläne. Er wolle zu seiner Pflegefamilie zurückgehen, erklärte er dem Gericht. «Sie haben einen Bauernhof und ich mag die Arbeit mit Tieren.»

Verteidiger fordert maximal 18 Monate

Der Verteidiger von G. forderte einen Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung der 15-jährigen Nora K. Der Straftatbestand könne nur unzureichend bewiesen werden. Die Pflegemutter des Mädchens habe – so der Verteidiger – gewusst, dass G. und die 15-Jährige Sex hatten. Die Mutter habe dies erst auch so ausgesagt, ihre Aussage aber später zurückgezogen. Es stimme auch nicht, dass sich Nora K. nicht habe wehren können. «Sie ist grösser und breiter gewesen als mein Mandant», so der Verteidiger. Es sei ihm deshalb gar nicht möglich gewesen, das Mädchen mit einer Hand festzuhalten und ihr mit der anderen die Hose herunterzuziehen. Ausserdem seien die Eltern im Nebenraum gewesen, der Teenager hätte also nach Hilfe schreien können, argumentierte der Anwalt von G.

Schuldig zu sprechen ist G. aus Sicht seines Anwaltes wegen sexueller Nötigung in einem, sexuellen Handlungen mit Kindern in mehreren Fällen sowie wegen des Besitzes von Kinderpornographie. Der Verteidiger fordert eine maximale Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Von stationären Massnahmen sei abzusehen. Auch ein DNA-Profil von G. lehnt seine Verteidigung ab. Dies hatte die Staatsanwaltschaft gefordert.

Der Angeklagte sagte abschliessend vor Gericht: «Es tut mir extrem leid, was ich getan habe und ich werde dafür geradestehen.» Er schränkte allerdings ein, dass dies nur für die Taten gelte, die er auch zugegeben habe.

G. erhielt eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren. Das Gericht gab ihm eine letzte Chance, indem es die Freiheitsstrafe zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufschob. Drei Opfern erhielten Schmerzensgelder von 8000 Franken sowie je 1000 Franke zugesprochen.

(Mitarbeit: Amir Mustedanagic)

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