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«Menschenrechtsverletzung»Serienkillerin verklagt wie Anders Breivik den Staat

Für Joanna Dennehy ist ihre Einzelhaft «Folter». Wie der norwegische Massenmörder Anders Brevik zieht sie deswegen jetzt vor Gericht.

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Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 in Oslo 77 Menschen tötete, verklagt den norwegischen Staat. Diesen Dienstag steht der verurteilte Massenmörder vor Gericht, weil er bessere Haftbedingungen einfordert. Die Isolationshaft und die «unmenschliche und entwürdigende» Behandlung wirke sich verheerend auf seine «psychische Gesundheit» aus, sagt sein Anwalt.

Mit seiner Klage wegen «Menschenrechtsverletzungen» im Knast steht Breivik nicht allein da. In London hat die verurteilte Serienkillerin Joanna Dennehy ebenfalls Klage beim Obergericht eingereicht. Dennehy wurde im Februar 2014 wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Seither sitzt die 33-Jährige im Frauengefängnis Bronzefield in der südenglischen Grafschaft Surrey.

Die Killerin fordert vom britischen Staat eine Abfindung, weil sie sich in Einzelhaft «traurig» fühle. Ihr Anwalt Hugh Southey betrachtet die Haftbedingung seiner Mandantin als «Folter und Verletzung der Menschenrechte». Tatsächlich scheint es juristische Probleme zu geben: Zumindest schreibt der «The Telegraph», dass die Isolationshaft nie vom damaligen Justizminister bewilligt worden sei.

Die Gefängnisleitung trennte Dennehy vor rund zwei Jahren von den restlichen Insassinnen, als sie von einem angeblichen Fluchtplan der Mörderin erfuhr. Die Behörde hatte Dennehys Tagesbuch gelesen. Darin schrieb sie, dass sie einen Wächter töten und ihm einen Finger abschneiden wolle, um damit die biometrischen Sicherheitskontrollen passieren zu können.

Für Opfer-Angehörige schwer zu verdauen

Die Mordserie der zweifachen Mutter mit dem auffälligen Tattoo unter dem linken Auge hatte die Briten schockiert: Zwischen März und April 2013 hatte Joanna Dennehy drei Männer im Alter zwischen 31 und 56 Jahren erstochen. Die Leichen warf sie anschliessend in einen Graben. Vor Gericht gab sie später zu, zwei weitere Männer mit einem Messer verletzt zu haben. Im Laufe des Prozesses beschrieb sie ein Psychiater als «psychopathische Mörderin, mit antisozialen Zügen und einer emotionalen Instabilität.»

Für die Überlebenden und Angehörigen ihrer Opfer ist Dennehys Klage eine harte Prüfung – ebenso wie für die Angehörigen des Massenmörders Breivik in Norwegen.

Der britischen Zeitung «The Sun» sagte einer von Dennehys davongekommenen Opfer, Robin Bereza (66), er finde es schrecklich, dass der Steuerzahler dafür aufkommen solle. «Ich habe 2100 Franken Entschädigung für eine durchstochene Lunge, drei gebrochene Rippen und einen verletzten Arm bekommen.»

Wie hoch die geforderte finanzielle Abfindung von Dennehy ist, ist nicht bekannt. Das Prozessdatum steht noch nicht fest.

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