Serienmörder: Auf der Suche nach dem «Killer-Gen»
Aktualisiert

Serienmörder: Auf der Suche nach dem «Killer-Gen»

Die forensische Psychiaterin Helen Morrison interviewt seit mehr als 30 Jahren Serienmörder: Sie will anhand gerichtsmedizinischer Gutachten ihre These vom «Killer-Gen» beweisen.

Die 58-jährige Helen Morrison ist eine der wenigen Frauen weltweit, die sich mit Serienmördern befassen. Mit mehr als 80 Serienmördern hat sie im Laufe ihrer Karriere gesprochen. Morrison ist davon überzeugt, dass eine genetische Anomalie die Serientäter zu ihren Handlungen veranlasst.

Auf ihrer Jagd nach dem «Killer-Gen» interviewt Morrison zurzeit Dennis Rader. Erst im vergangenen Jahr wurde der 61-jährige «BTK-Killer», dessen Mordserie den Mittleren Westen der USA seit Mitte der 70er-Jahre in Angst und Schrecken versetzte, gefasst. Das Kürzel «BTK» hat sich Rader selbst gegeben. Es steht für «bind, torture, kill» — fesseln, foltern, töten.

«Rader unterscheidet sich in seinem Benehmen, seinen Gedanken und Handlungen nicht von anderen Serienkillern, die ich gesprochen habe», sagt Morrison. Serienkiller, so ihr Fazit, haben für ihre Morde kein Motiv. «Sie sind keine Psychopathen, denn Psychopathen haben die Kontrolle über das, was sie tun, denken und fühlen. Serienkiller dagegen sind mordsüchtig und können ihr Verhalten nicht kontrollieren.»

Serienkiller sind keine Intellektuelle wie Hannibal Lecter, der Killer aus «Das Schweigen der Lämmer» - nur ihre Taten sind ähnlich grausam. «In Wirklichkeit», sagt Morrison, «lässt man sich bei der Arbeit mit Serienmördern auf Menschen ein, die vollständig und zutiefst unmenschlich sind.»

Am Ende ihrer Sitzungen schreibt sie: «Bezeichnend war die Leere in seinem Charakter. Die beobachtete ich später auch bei anderen Mehrfachmördern: Menschen waren für sie eine wertlose Belästigung, die man beseitigte und dann vergass.»

«Serienkiller sind nicht therapierbar und können nicht rehabilitiert werden», sagt sie weiter. «Alle Serienmörder, die ich getroffen habe, zeigten keinerlei Bewusstsein oder gar Anzeichen von Reue für ihre Taten.» Weil sie immer weiter morden werden, gibt es für Morrison nur eine gerechte Strafe: «Serienkiller haben den Tod verdient.»

Obwohl sie tagelang mit den Mördern spricht und deren Gehirne von Pathologen obduzieren lässt, ist es ihr bis heute nicht gelungen, ihre These vom «Killer-Gen» zu beweisen. Doch selbst wenn sich ihre Idee eines Tages erhärten liesse, bleibt fraglich, was daraus folgen würde. Was soll mit jenen Menschen geschehen, die diesen Gendefekt in sich tragen? Lebenslange Schutzhaft? Abtreibung von Föten mit dem «Killer-Gen»? Prophylaktische Tötung?

Deine Meinung