Prozess gegen Marc Roger: Servettes Finanz-Dschungel wird durchleuchtet
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Prozess gegen Marc RogerServettes Finanz-Dschungel wird durchleuchtet

Für den früheren Servette-Präsident Marc Roger war der Schiffbruch des Klubs eine Folge des Pechs. Dies sagte der Franzose im Prozess gegen ihn und die ehemalige Führung.

Bisher hatte das Gericht das Finanzgebahren von Ex-Präsident Marc Roger unter die Lupe genommen, gestern Freitag kamen nun die Angeklagten zu Wort. Roger ist des betrügerischen Konkurses, des Betrugs, der ungetreuen Geschäftsführung und der Urkundenfälschung angeklagt. Ex-Verwalter Olivier Maus steht wegen Misswirtschaft vor Gericht, die französische Anwältin Marguerite Fauconnet wegen Urkundenfälschung.

Roger sagte, es seien verschiedene widrige Umstände zusammengekommen. Als der Klub in Schwierigkeiten geriet, habe er alles unternommen und dabei auch 300 000 Euro aus eigenem Sack beigesteuert.

Der Genfer Millionenerbe Maus spielte bei der Befragung seine Verantwortung im Klub herunter. «Ich habe mich lediglich ums Marketing gekümmert», sagte er. Er räumte jedoch ein, gegenüber der Klubrechnung eine etwas leichtfertige Haltung eingenommen zu haben.

Unter dem Präsidium des Franzosen Marc Roger, der den angeschlagenen Club im Februar 2004 mit 12 Millionen Franken Schulden übernommen hatte, geriet das Budget des Klubs vollends aus den Fugen. Die Ausgaben verdreifachten sich. Ein Jahr nach der Übernahme durch Roger ging der Club Konkurs.

«Es herrschte totale Anarchie», erinnerte sich eine ehemalige Angestellte von Servette diese Woche vor Gericht. Niemand sei für die Finanzen zuständig gewesen. Auch seien die erwarteten Zuschauerzahlen für die Saison 2004/2005 viel zu hoch eingeschätzt worden. «Man fragt sich, wie die Schweizer Fussballliga ihre Zustimmung geben konnte».

Aus Sicht der Anklage hat Marc Roger seine Umgebung getäuscht. Der Franzose hatte immer lautstark beteuert, dass er dank seines Rückhalts in der Fussballwelt über genügend finanzielle Mittel verfüge, um den Klub wieder in Ordnung zu bringen.

Für Montag stehen die Plädoyers von Anklage und Verteidigung auf dem Programm. Die Urteilsverkündung sollte am Dienstag oder Mittwoch folgen.

(si)

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