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«Sesamstrasse» hält Einzug an Afghanistans Schulen

Ernie und Bert haben einen neuen Auslandsauftrag. Zusammen mit ihren Kollegen aus der Sesamstrasse sollen sie den Kindern in Afghanistan neuen Lebensmut geben.

Mit einem Grusswort von Präsident Hamid Karsai ausgestattet, werden sie in den Schulen des Landes zum Einsatz kommen - auf Videokassette. «Wir müssen die Augen und Herzen unserer Kinder für neue Ideen öffnen», sagt Sekander Gijam, Berater des afghanischen Bildungsministeriums.

Die Videoprogramme sollen den afghanischen Lehrern zudem nach zwei Jahrzehnten Krieg und Taliban-Herrschaft beim Übergang «in ein neues Jahrhundert der Erziehung» verhelfen. So versuchen die gut gelaunten Puppen, die Jim Hensen in den 60er Jahren schuf, auf ganz unautoritäre Weise am Hindukusch das Alphabet zu vermitteln.

Jedes der zunächst 400 Pakete enthält zehn je 20-minütige Episoden, die weitgehend aus der ägyptischen Variante der Sesamstrasse «Alam Simsim» übernommen wurden. In Afghanistan heisst die Sendung «Koche Sesame» und wurde auf Dari eingesprochen. Ein etwaiger Verdacht, Kabul betreibe amerikanischen Kulturimperialismus, scheint fehl am Platze. Schliesslich wollen sich neben Regierungsstellen auch internationale Hilfsorganisationen an der Verteilung der Videobänder an Schulen, Kindergärten und Fernsehanstalten beteiligen.

Das Krümelmonster, Samson und Co. werden eine grosse Hilfe für die traumatisierten afghanischen Kinder, hofft das amerikanische Rand-Institut, das bei der Realisierung des Projektes hilft: Die Figuren sollen am Hindukusch ein Bewusstsein für andere Kulturen schaffen, für die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen und nicht zuletzt Interesse an Bildung und Karriere wecken. Angesichts von Armut und Kriegsschäden muten die Ziele ein wenig hochtrabend an: Kaum eine Schule, geschweige denn Privathaushalte, verfügen über einen Videorekorder. Und viele Afghanen im Süden und Osten des Landes sprechen nur Paschto. (sda)

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