Wegen Rahmenvertrag - Setzt die Schweiz doch noch länger auf Atomkraft?
Publiziert

Wegen RahmenvertragSetzt die Schweiz doch noch länger auf Atomkraft?

Eigentlich sollte in den kommenden Jahren Schluss mit Atomkraft sein. Der Streit mit der EU führt nun jedoch einige in Politik und Wirtschaft dazu, eine Verlängerung der AKW-Lebensdauer zu fordern.

von
Patrick McEvily
1 / 7
Die Atomkraftwerke in der Schweiz, wie dasjenige in Gösgen (Bild), sollen über die kommenden Jahre stillgelegt werden.

Die Atomkraftwerke in der Schweiz, wie dasjenige in Gösgen (Bild), sollen über die kommenden Jahre stillgelegt werden.

Urs Jaudas
Die Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 veranlasste die Schweizer Politik, künftig auf die Kernenergie zu verzichten. 2017 stimmte das Volk dem Atomausstieg zu.

Die Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 veranlasste die Schweizer Politik, künftig auf die Kernenergie zu verzichten. 2017 stimmte das Volk dem Atomausstieg zu.

AFP
Die Sorge vor Sicherheitsmängeln ist gross. Das älteste der vier Schweizer AKWs, in Beznau, musste in den vergangenen Jahren mehrfach heruntergefahren werden.

Die Sorge vor Sicherheitsmängeln ist gross. Das älteste der vier Schweizer AKWs, in Beznau, musste in den vergangenen Jahren mehrfach heruntergefahren werden.

Tamedia AG/Thomas Egli

Darum gehts

  • Eigentlich hat die Schweiz den Ausstieg aus der Kernenergie angekündigt.

  • Einige Vertreter aus Politik und Wirtschaft haben aber die Idee ins Spiel gebracht, die AKWs länger zu betreiben.

  • Grund für die umstrittene Idee ist eine drohende Stromknappheit nach dem Nein zum EU-Rahmenabkommen.

Eigentlich sollten die vier Atomkraftwerke in der Schweiz in den nächsten Jahren ihr Lebensende erreicht haben. Der Bund hatte sich nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 entschieden, keine neuen Anlagen mehr zu bauen und schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen. 2017 stimmte die Bevölkerung dem zu. Der Vizechef des Bundesamtes für Energie hat nun die Idee in den Raum gestellt, die AKWs doch länger als vorgesehen in Betrieb zu lassen. Grund ist die wachsende Sorge vieler, dass die EU kein neues Stromabkommen mit der Schweiz abschliesst und das Land auf eine Stromknappheit zugeht. Der Vorschlag erntete Beifall in Teilen des Parlaments.

Wie lange können AKWs sicher betrieben werden?

Nach dem endgültigen Scheitern des Rahmenabkommens ist die Sorge bei vielen in Politik und Wirtschaft gross, dass die Schweiz auf eine Stromknappheit zusteuert. Der grösste Stromversorger des Landes, die Axpo, sorgte vor kurzem mit einer Studie für Aufsehen, in der sie die Versorgungssicherheit des Landes im Winter in Frage stellte. Sogar der US-Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg berichtete über die düstere Prognose.

Nun soll es wieder die Atomenergie richten. Auch über die eigentliche Laufzeit der Reaktoren von 65 bis 70 Jahre könnten die AKWs nämlich weiter betrieben werden, sagen Atom-Befürworter. Zu diesen gehören Vertreter der FDP und der Mitte sowie die Axpo selbst. Die «NZZ am Sonntag» (Bezahlartikel) lässt jedoch Zweifel daran aufkommen, wie verlässlich solche Prognosen zu Laufzeiten wirklich sind. Das Bundesamt für Energie hatte 2019 noch von 60 Jahren geschrieben, revidierte dies allerdings ein Jahr später auf 50 Jahre. Für die beiden AKWs in Leibstadt und Gösgen wäre dies 2034 und 2019 der Fall.

Widerstand gegen AKW-Idee formiert sich

Atomstrom könnte gemäss «NZZ am Sonntag» in Zukunft noch aus einem weiteren Grund interessanter werden: Er wird im Vergleich zu anderen Stromsorten immer günstiger. Die EU verteuert andere, dreckigere Energiequellen nämlich zunehmend. Schweizer Atomkraftwerke könnten bei längerer Laufzeit ihrer Reaktoren also zusätzliche Einnahmen erwarten. Die «NZZ am Sonntag» bezeichnet eine mögliche Weiterführung der Meiler gar als «Goldgrube» für die Betreiber.

Für die SP ist eine Verlängerung der Lebensdauer allerdings keine Option. Von solch langen Betriebszeiten zu sprechen findet Fraktionschef Roger Nordmann fahrlässig und verweist auf die Gefahr von Unterbrüchen bei den AKWs wie bei demjenigen in Leibstadt in der Vergangenheit. Die Schweiz solle sich voll und ganz auf den Umstieg auf erneuerbare Energien fokussieren, zitiert die Zeitung einen Stromexperten.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

471 Kommentare