Ernährung: Setzt du beim Food besser auf Bio- oder auf lokale Produkte?

Publiziert

ErnährungSetzt du beim Food besser auf Bio- oder auf lokale Produkte?

Du stehst vor dem Regal: Links der lokale Fenchel, rechts der Biofenchel aus dem Ausland. Welches Produkt macht mehr Sinn? Welchen Einfluss haben landwirtschaftliche Produktionsmethoden auf die Umwelt? Food-Expertin Alexandra Gavilano von Greenpeace hat die Antworten.

von
Jan Graber
Schwein gehabt: Diese Ferkel dürfen auf der Spielwiese eines Biobetriebs aufwachsen.

Schwein gehabt: Diese Ferkel dürfen auf der Spielwiese eines Biobetriebs aufwachsen.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Die Klimakrise hänge stark auch mit unserem Konsumverhalten bei Lebensmitteln zusammen, sagt Alexandra Gavilano von Greenpeace.

  • Es führe zu schädlicher intensiver Bodenbewirtschaftung, Monokulturen, Pestizideinsatz und untragbaren Arbeitsbedingungen. Düngemittel und Pestizide basierten zudem auf fossilen Rohstoffen.

  • Einkaufen sollte man möglichst lokal, saisonal, pflanzlich und biologisch.

  • Nur so lasse sich global eine Ernährungsgerechtigkeit erreichen.

WSZ: Frau Gavilano, wo bestehen die grössten Probleme in der landwirtschaftlichen Food-Produktion?

Alexandra Gavilano: Sowohl die Klimakrise als auch das Artensterben hängen stark mit unseren Konsumgewohnheiten zusammen. Sie führen zu einer intensiven Bodenbewirtschaftung mit schweren Maschinen und Monokulturen, oftmals mit hohem Pestizideinsatz. Die Massentierproduktion verbraucht zudem inländisch und ausländisch zu viel Futtermittel und vernachlässigt das Tierwohl. Oft ist die Food-Produktion zudem mit sozial untragbaren Arbeitsbedingungen verknüpft. Auch basieren Düngemittel und Pestizide auf dem fossilen Rohstoff Erdöl.

Welche Rolle spielt die Tierhaltung für die Umwelt?

Wie der Bericht des Weltklimarats gezeigt hat, besteht hier ein grosser Hebel für den Klima- und Artenschutz. In der Schweiz haben wir zu viele Tiere, die nicht an den Standort angepasst sind. Sie benötigen Futtermittel aus dem Ausland oder solches, das auf Ackerflächen im Mittelland unter Einsatz von Gülle produziert werden muss. Der Einsatz von Gülle wirkt sich jedoch auf Wasser, Böden und Wälder aus. Durch Aufbereitungsmaschinen wird zudem die natürliche Schutzschicht der Gräser zerstört, was ebenfalls zum Artensterben beiträgt.

Wo sehen Sie die Ursachen für die Ausbeutung der Böden?

Unsere Wirtschaft ist auf Profitmaximierung ausgerichtet, die weder Mensch noch Natur ins Zentrum stellt. Wir haben ein abstruses System mit hoher Intransparenz geschaffen, das allein dem Schutz des Profits dient. Dies fördert Marktmonopole bei der Tierproduktion, im Detail- und im Agrarhandel.

Es gibt Bauern in der Schweiz, die nicht biozertifiziert sind und dennoch umweltfreundlich arbeiten. Sollte ich mich grundsätzlich eher für lokale Produkte entscheiden?

Die Zertifizierung von Biosuisse ist nicht per se Vorschrift, sie garantiert aber einen gewissen Standard. Ein Produzent des Vertrauens, der lokal produziert, kann aber auch gut sein – sofern er das Vertrauen nicht missbraucht.

Bräuchte es andere Arten von Zertifikaten für eine umweltgerechtere Landwirtschaft?

Wir brauchen nicht noch mehr Zertifikate, sondern eine gesamthafte Lösung zum Schutz der ganzen Schweizer Landwirtschaft. Wir müssen gemeinsam einen Weg finden, der fair und ökologisch ist.

Welche Produkte sollte man auf alle Fälle meiden?

Im Ausland produzierte Produkte, die von Detailhändlern importiert und oftmals weder fair noch nachhaltig produziert oder transportiert wurden.

Welche Tierprodukte erachten Sie als «okay»?

Hierzu haben wir das Dokument «Landwirtschaft mit Zukunft» veröffentlicht. Grundsätzlich gilt, dass wir viel weniger Tierprodukte konsumieren sollten und wenn, dann nur sogenannte Raufutterverwerter, die an hiesige Bedingungen angepasst sind und bei deren Aufzucht das Tierwohl berücksichtigt wird.

Wie umweltfreundlich ist die Treibhausproduktion von Gemüse und Früchten beispielsweise in Spanien?

Auch hier profitieren nur die Detailhändler. Die Region Almería zum Beispiel leidet unter akutem Wassermangel. Weil wir im März in der Schweiz Erdbeeren wünschen, werden dort die Wasserressourcen knapp. Auch arbeiten dort oft geflüchtete Menschen unter miesen Arbeitsbedingungen.

Ziehe ich besser das Bioprodukt aus dem Ausland vor oder die lokal produzierte Ware, die nicht bio ist?

Das hängt vom Produkt ab und lässt sich nicht generell beantworten. Aus ökologischer und sozialer Sicht sollte man aber Produkte konsumieren, die biologisch, lokal, saisonal und pflanzlich sind. Nur so lässt sich global eine Ernährungsgerechtigkeit erreichen, die nicht von der freien Marktwirtschaft abhängig ist.

Wie kaufst du ein?

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

43 Kommentare