Aktualisiert 02.12.2010 20:42

Todesstrafe

Setzt Texas seine Hinrichtungen aus?

Kein US-Bundesstaat richtet so viele Menschen hin wie Texas. Damit könnte bald Schluss sein. Ein Richter entscheidet am Montag, ob die Todesstrafe verfassungswidrig ist.

von
kri
Todeskammer in Huntsville, Texas. Hier wurden im vergangenen Jahr 24 Menschen hingerichtet.

Todeskammer in Huntsville, Texas. Hier wurden im vergangenen Jahr 24 Menschen hingerichtet.

Zum ersten Mal in der Geschichte von Texas beschäftigt sich ein Gericht in einem laufenden Mordprozess mit dem Problem, dass ein Unschuldiger hingerichtet werden könnte, berichtet die «Huffington Post». John Edward Green Jr. wird beschuldigt, 2008 bei einem Raubüberfall in Houston eine 34-jährige Frau erschossen zu haben.

Laut Gerichtsunterlagen werden seine Verteidiger am Montag argumentieren, dass eine Reihe von Faktoren im texanischen Rechtssystem das Risiko unrechtmässiger Hinrichtungen erhöhen: Fehlende Sicherheitsvorkehrungen gegen falsche Zeugenaussagen, fehlerhafte forensische Beweise, inkompetente Anwälte im Berufungsverfahren, fehlende Schutzmechanismen gegen falsche Geständnisse sowie notorische Rassendiskriminierung bei der Auswahl der Geschworenen.

Unschuldiger hingerichtet

Die Todesstrafe geriet Anfang November unter Druck, als ein DNA-Test eines einzelnen Haars Zweifel an der Schuld eines Mannes aufkommen liess, der vor über zehn Jahren in Texas hingerichtet worden war. Das Haar war damals das einzige Beweisstück, das Claude Jones mit dem Tatort in Verbindung brachte. Der neue Test ergab, dass das Haar vom Mordopfer selbst stammte.

Maurie Levin, eine Rechtsprofessorin an der Universität von Texas und Expertin für Fragen rund um die Todesstrafe, sagte der «Huffington Post», es würde sie nicht erstaunen, wenn der Richter Kevin Fine am Montag die Todesstrafe in Texas für verfassungswidrig erklärt: «Ich gehe davon aus, dass Richter Fine ausreichend Beweismaterial hat, das ihn zur Überzeugung bringt, dass die Todesstrafe, so wie sie in Texas angewendet wird, verfassungswidrig ist.»

Unfair und unberechenbar

Seit 1976 sind in Texas zwölf Todeskandidaten vor ihrer Hinrichtung freigesprochen worden. Gesamthaft waren es in den USA im selben Zeitraum 139. Vier verschiedene von der Regionalregierung eingesetzte Kommissionen haben das hohe Risiko unrechtmässiger Verurteilungen anerkannt. Laut der texanischen Strafjustiz waren von den insgesamt 464 in diesem Bundesstaat hingerichteten Personen rund 70 Prozent Angehörige von Minderheiten.

Andrea Keilen, die Geschäftsführerin von «Texas Defender Service», eine Nonprofitorganisation von Anwälten, sagte gegenüber der «Huffington Post», es sei offensichtlich, dass die Todesstrafe in Texas unfair und unberechenbar verhängt wird.

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