Sevilla fertigt Middlesbrough ab
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Sevilla fertigt Middlesbrough ab

Enzo Maresca liess mit seiner Doublette zum 4:0-Triumph Sevillas im UEFA-Cup die Anhänger von Middlesbrough verstummen. Der Italiener sicherte dem spanischen Tabellen-Fünften den ersten Europacup-Finalsieg in der Klubgeschichte.

In den letzten Minuten setzten die Spanier in Eindhoven zur Gala an. Die euphorisierten Anhänger Sevillas zelebrierten jeden gelungenen 3-m-Pass mit Olé-Rufen. Und ein paar Ballstafetten nach Marescas 3:0 (84.) schob der früh für den inexistenten Künstler Saviola eingewechselte Fred Kanouté zum demütigenden 4:0 ein - das widerstandslose Middlesbrough kollabierte beim wichtigsten Rendez- vous der Saison regelrecht. Eine Woche vor dem Gipfel mit Barça und Arsenal setzten die Spanier ein erstes Zeichen.

Mit einer Wende im Stile der spektakulären Aufholjagden im Viertel- und Halbfinal durften sie indes spätestens nach dem zweiten Gegentor zwölf Minuten vor Schluss nicht mehr ernsthaft rechnen. Zu stilsicher präsentierten sich die Herausforderer, zu clever begegneten die Spanier dem erwarteten Ansturm von «Boro». Eine Mannschaft aus der Primera Division lässt sich nicht so leicht vom Kurs abbringen wie zuvor Steaua und Basel.

Der programmgemässe Rückstand

Schon fast programmgemäss war der englische Vertreter in Rücklage geraten. Was dem Team von Steve McClaren in den letzten vier UEFA-Cup-Partien widerfahren war, trug sich auch im ausverkauften Philips-Stadion zu. Nach 26 Minuten lagen die Engländer 0:1 zurück. Beunruhigt waren sie deswegen zweifelsfrei nicht. Noch fassten sie (nicht ohne Grund) den Umschwung in Betracht, noch glaubten die Kämpfer um Mark Viduka an den Sprung aufs oberste Podest.

Der Vorteil Sevillas hatte sich allerdings abgezeichnet. Die Spanier fanden sich ohne Anlaufzeit zurecht. Sofort bedrängten die Andalusier das Tor von Mark Schwarzer. Den zweimal vom zu Beginn überforderten Riggott verschuldeten Schaden vermochte der australische Nationalkeeper zunächst zu begrenzen. Beim Kopfballtreffer des Brasilianers Luis Fabiano, der eine exzellente Vorlage Alves' verwertete, war ihm gewiss keine Schuld anzulasten.

Die im eigenen Championat bedeutend besser klassierten Spanier (5.) beherrschten das mehrheitlich schwer enttäuschende «Boro» mit wenigen Ausnahmen deutlich. Zumeist traten die Engländer in der Art auf, die ihnen in der Premier League derart grosse Schwierigkeiten und teils harsche Kritik der eigenen Fans eingetragen hatte - passiv, ohne Ideen im Zentrum, ohne ein Mindestmass an Präzision und vor allem nicht mit der Leidenschaft eines Finalteilnehmers.

McClaren nahm in seiner letzten Partie vor der Beförderung zum englischen Nationalcoach früh die nötigen taktischen Korrekturen vor. Mit dem Eintritt des italienischen Jokers Massimo Maccarone sandte der Coach das Signal zum Sturmlauf. Wenig später ersetzte er einen weiteren Defensivspieler und setzte auf den bulligen Nigerianer Yakubu. Mit der Botschaft des Trainers wusste keiner der Spieler etwas anzufangen.

McLaren setzte in der Not abermals alles auf eine einzige Karte. Ihm ist gewiss nicht vorzuwerfen, früh nur noch auf die Offensive gesetzt zu haben. Zweimal - gegen den FCB und Steaua - zahlte sich die riskante Strategie aus, nun scheiterte der smarte Trainer am eigenen Mut. Wer mit vier Stürmern das Glück zu erzwingen versucht, ist anfällig auf Breaks des Widersachers. Der Konterschlag zum entscheidenden 0:2 in der 78. Minute traf im Stadion deshalb niemanden unvorbereitet.

Middlesbrough - FC Sevilla 0:4 (0:1)

Philips-Stadion, Eindhoven. - 31 000 Zuschauer (ausverkauft).- SR Fandel (De).

Tore: 26. Luis Fabiano 0:1. 78. Maresca 0:2. 84. Maresca 0:3. 89. Kanouté 0:4.

Middlesbrough: Schwarzer; Parnaby, Riggott, Southgate, Queudrue (70. Yakubu); Morrison (46. Maccarone), Rochemback, Boateng, Downing; Viduka, Hasselbaink.

FC Sevilla: Palop; Alves, Navarro, Escudé, Castedo; Navas, Jose Marti, Maresca, Adriano Correia (86. Puerta); Luis Fabiano (72. Renato), Saviola (46. Kanouté).

Bemerkungen: Middlesbrough ohne Mendieta, Pogatetz (beide verletzt). Verwarnungen: 53. Alves (Foul), 81. Escudé (Zeitverzögerung), 83. Rochemback (Foul), 85. Maresca (Unsportlichkeit).

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