Sex-Affäre des FC Thun: Verhandlung ohne Öffentlichkeit

Aktualisiert

Sex-Affäre des FC Thun: Verhandlung ohne Öffentlichkeit

Die Sex-Affäre vom vergangenen November hat den FC Thun in eine schwere Krise gestürzt und die Sportwelt erschüttert. Nun beginnt am Donnerstag die juristische Aufarbeitung des Falls - allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die zuständige Thuner Einzelrichterin hat einem entsprechenden Begehren des Opfers statt gegeben, wie aus einer Mitteilung des Gerichts hervorgeht. Allfällige Urteile will die Richterin in anonymisierter Form bekanntgeben.

Deshalb ist nicht klar, ob die gerichtliche Beurteilung der Öffentlichkeit tatsächlich Aufschluss über das Ausmass der Affäre gibt. Seit ihrem Auffliegen wurde immer wieder Kritik laut, die Berner Untersuchungsbehörden hätten den Fall durch offensive Informationspolitik aufgebauscht, und die Medien seien dankbar auf den Zug aufgesprungen.

Die Behörden hatten im vergangenen November mitgeteilt, 12 aktive oder ehemalige Spieler des FC Thun sowie 9 Aussenstehende wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen mit einer Minderjährigen festgenommen zu haben. In der Folge wurden 13 Personen angezeigt, zwei Anzeigen betrafen aktive Spieler des Fanionteams.

Unterschiedliche Tragweite

Der FC Thun seinerseits stellte sich lange hinter die mutmasslich betroffenen aktiven Spieler und beliess sie vorderhand im Kader. Dabei pochte die Vereinsleitung auf die bis zu einem vorliegenden Urteil geltende Unschuldsvermutung.

Erst unter dem Druck von Öffentlichkeit und Fussballverband suspendierte der Verein Ende Februar zwei aktive Spieler der ersten Mannschaft und zwei Aktive der U-21-Mannschaft.

Die Vorwürfe an die Adresse der mutmasslichen Täter sind von unterschiedlicher Tragweite. Sie reichen nach Angaben der Untersuchungsbehörden vom Februar von Zungenküssen bis zum Geschlechtsverkehr mit einer Minderjährigen in Kenntnis über deren urteilsunfähigen Zustand.°

Das zur Tatzeit 15,5 Jahre alte Mädchen aus der Thuner Fanszene soll nach Angaben der Behörden mit den sexuellen Handlungen grösstenteils einverstanden gewesen sein. Die mutmasslichen Täter waren zum Teil nur wenige Jahre älter als ihr Opfer.

Einvernahmen über mehrere Wochen

Die Thuner Einzelrichterin wird ab Donnerstag nun zunächst mit den über mehrere Wochen verteilten Einvernahmen beginnen. Die acht Angeschuldigten müssen sich wegen sexueller Handlungen mit einer Minderjährigen verantworten, einer auch wegen Pornografie. Nach der Einvernahme entscheidet die Richterin, ob es zu einer Hauptverhandlung kommt.

Zwei weitere Fälle werden voraussichtlich nicht vom Einzel-, sondern vom Kreisgericht Thun beurteilt. Hier lautet die Anklage auf Schändung. Angeschuldigt sind ein ehemaliger Spieler und eine aussenstehende Person. Dieser Gerichtstermin ist noch nicht bekannt.

Ein weiterer Angeschuldigter konnte wegen Auslandsabwesenheit nicht befragt werden. Die Strafverfolgung wurde in seinem Fall vorerst eingestellt. Ein ehemaliger Spieler wurde bereits wegen Zungenküssen mit dem Mädchen zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt. Ein weiterer Angeschuldigter fällt in die Zuständigkeit des Jugendgerichts.

Tiefer Fall

Im Jahr 2005 galten die Thuner mit ihrer Qualifikation für die Champions League international noch als «Fussballwunder aus den Bergen». Da erstaunt es nicht, dass der Sex-Skandal weltweit grosse Betroffenheit und ein riesiges Medienecho auslöste.

Auch sportlich ist der FC Thun aus den Höhen der Champions League tief gefallen. Derzeit kämpfen die Berner Oberländer auf verlorenem Posten gegen den Abstieg aus der höchsten Schweizer Spielklasse.

Im Winter verunfallte schliesslich auch noch der langjährige Klubpräsident Kurt Weder schwer. Er gibt sein Amt ab, ebenso wie Weders Vize.

Anfang April wurde dem FC Thun in erster Instanz als einzigem Verein der Axpo Super League die Lizenz für die nächste Saison verweigert. Die Thuner hatten die Lizenzkommission schriftlich über einen Liquiditäts-Engpass in Kenntnis gesetzt.

(sda)

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