Überraschendes Urteil: Sex auf offener Strasse angeboten – Freispruch
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Überraschendes UrteilSex auf offener Strasse angeboten – Freispruch

Dämpfer für die Gegner des Zürcher Strassenstrichs. Obwohl eine Brasilianerin einem Sittenpolizisten auf offener Strasse Sex gegen Geld angeboten hat, kommt sie mit einem Freispruch davon.

von
Attila Szenogrady
Das Gericht drückt beim ersten Mal auf dem Strassenstrich ein Auge zu.

Das Gericht drückt beim ersten Mal auf dem Strassenstrich ein Auge zu.

Frauen dürfen sich von nun an auf den Strassen Zürichs wenigstens einmal straflos prostituieren. So das Bezirksgericht Zürich, das am Freitag eine 26-jährige Brasilianerin vom Vorwurf der Widerhandlung gegen die Vorschriften über die Strassenprostitution überraschend freigesprochen hat. Zunächst schien der Fall klar. So hatte sich die beschuldigte Mutter in der Nacht auf den 25. März 2011 an der Hohlstrasse 30 im Kreis 4 prostituiert.

Die Beschuldigte hatte zusammen mit einer Landsfrau ausgerechnet einen Beamten der Sittenpolizei angesprochen und ihm einen «flotten Dreier» für insgesamt 200 Franken angeboten. Sicher ist, dass der Fahnder das Angebot zunächst zum Schein annahm, mit ihnen ging und danach Anzeige gegen die beiden leichten Damen erstattete – mit der Folge, dass der Stadtrichter beide Frauen verurteilte.

Vorwürfe zurückgewiesen

Während eine Südamerikanerin die Busse von 500 Franken bezahlte, wies die zweite Frau die Vorwürfe zurück. Sie verlangte am Freitag vor dem Bezirksgericht Zürich einen vollen Freispruch.

So spreche sie fast kein Deutsch und habe gar nicht verstanden, was ihre damalige Kollegin dem Polizeibeamten angeboten habe, wehrte sie sich. Auch der Verteidiger Claude Hentz forderte einen vollen Freispruch und plädierte, dass nicht einmal nachgewiesen sei, ob seine Klientin überhaupt eine Prostituierte sei. Die Beschuldigte erklärte dem Gericht vielmehr, dass sie als Kinderbetreuerin und Bardame arbeite. Sie sei vielmehr zufällig zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen.

Trotz Prostitution ein Freispruch

Das Gericht glaubte weder der Beschuldigten noch dem Verteidiger. Da die Frau dem glaubwürdigen Beamten aus freien Stücken gefolgt sei, habe es sich klarerweise um Prostitution gehandelt, führte die Einzelrichterin aus. Trotzdem kam sie überraschend zu einem vollen Freispruch und entschädigte die entlastete Brasilianerin mit 1600 Franken. Die Richterin stufte die Darstellungen des Polizeibeamten als absolut glaubhaft ein. Weniger Glauben schenkte sie den Aussagen der zweiten Brasilianerin, die die Beschuldigte in der Untersuchung als Prostituierte bezeichnet und damit belastet hatte.

Entscheidend sei aber, dass der verzeigten Frau nur ein einziger Fall nachzuweisen sei. Dies reiche aber für eine Verurteilung derzeit nicht aus. Es sei der Beschuldigten somit noch keine Erwerbstätigkeit als Prostituierte nachzuweisen, führte die Gerichtsvorsitzende aus. Ein Rückschlag für die Strafverfolgungsbehörden im Zürcher Rotlicht-Milieu, denn von nun an gilt bei der Strassenprostitution: «Einmal ist keinmal.»

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