16.03.2017 10:26

Intime Sicherheitslücke

Sex-Daten Tausender Schweizer erschlichen

Der smarte Vibrator We-Vibe spionierte Nutzer aus und leitete dem Hersteller pikante Details weiter. Vom Datenschutzskandal sind zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer betroffen.

von
kün
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Konkret geht es um das Gerät in diesem Bild: Das Sexspielzeug interagiert via App mit einem anderen. Der Hersteller muss nun seine Kundschaft entschädigen.

Konkret geht es um das Gerät in diesem Bild: Das Sexspielzeug interagiert via App mit einem anderen. Der Hersteller muss nun seine Kundschaft entschädigen.

Screenshot we-vibe.com
Die App, durch die ein Vibrator mit einem anderen interagierte, sammelte pikante Daten über das Nutzerverhalten – etwa wie oft das Sexspielzeug verwendet wurde und mit welcher Vibrationsintensität.

Die App, durch die ein Vibrator mit einem anderen interagierte, sammelte pikante Daten über das Nutzerverhalten – etwa wie oft das Sexspielzeug verwendet wurde und mit welcher Vibrationsintensität.

Screenshot we-vibe.com
In der Schweiz wurde das Gerät tausendfach verkauft.

In der Schweiz wurde das Gerät tausendfach verkauft.

Screenshot we-vibe.com

Der kanadische Hersteller Standart Innovation des Partnervibrators We-Vibe hat sich via dazugehöriger App pikante Daten über das Nutzungsverhalten seiner Kunden beschafft – ohne deren Zustimmung. Nun muss der Hersteller den Kunden, die in den USA eine Sammelklage einreichten, insgesamt über drei Millionen Franken Entschädigung zahlen. In der Schweiz gehört der Vibrator zu den beliebtesten Sexgadgets.

Der We-Vibe steht auch beim Marktführer der Schweizer Erotik-Läden, Magic-X, im Kaufregal. Jan Brönnimann, Mitglied der Geschäftsleitung: «Der We-Vibe ist in vielen Schweizer Schlafzimmern zu finden. Wir haben ihn tausendfach verkauft.»

Dass das Unternehmen intime Daten seiner Nutzer erhebt, findet er wenig problematisch. «Die Daten werden ja nicht in Verbindung mit dem Namen des Kunden gebracht, somit bleibt der Kunde jederzeit anonym.»

«Wir verkaufen pro Monat durchschnittlich 200 We-Vibes»

Auch beim Online-Erotik-Shop KissKiss.ch erfreut sich der kleine Vibromasseur, der in verschiedenen Farben erhältlich ist, grosser Beliebtheit. Co-Gründer Simon Jacquier sagt: «Wir verkaufen pro Monat durchschnittlich 200 We-Vibes.» In der Kategorie Sexspielzeuge für Paare sei der Vibrator damit ein Bestseller.

Jacquier und sein Team weisen die Kunden nicht darauf hin, dass ihre Nutzungsdaten vom Hersteller eingesehen werden könnten. Sie nehmen das Spielzeug für Erwachsene auch nicht aus dem Sortiment. Jacquier: «Es reicht, in der App eine Funktion zu aktivieren, um das Übertragen der Daten vollständig zu unterbinden.»

Beim Erotikshop Amorana sieht man das ähnlich. Geschäftsführer Lukas Speiser: «Mittlerweile werden die We-Vibe-Käufer in der App besser über das Sammeln von Daten informiert. Ausserdem müssten sie seit letztem Jahr auch kein Kundenkonto mehr anlegen.»

We-Vibe-Vibrator

Der We-Vibe wird von der Frau während des Akts getragen, sodass nicht nur ihr Klitoris und G-Punkt stimuliert werden, sondern auch der Penis des Mannes. Dazu wird das kleine Ende des Vibrators in die Vagina eingeführt und das grosse Ende auf der Klitoris platziert. Der We-Vibe kann aber auch alleine benutzt werden.

Quelle: Amorelie

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