Brutal misshandelt: Sex-Gang zwang Kinder zur Prostitution
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Brutal misshandeltSex-Gang zwang Kinder zur Prostitution

Missbrauchsskandal in England: Sieben Männer in Oxford versklavten, vergewaltigten und verkauften verwahrloste Mädchen – praktisch vor den Augen von Sozialarbeitern und Polizisten.

von
rey
Verurteilt: (oben) Akhtar Dogar, Anjum Dogar, Kamar Jamil, Assad Hussain, (unten) Mohammed Karrar, Bassam Karrar and Zeeshan Ahmed.

Verurteilt: (oben) Akhtar Dogar, Anjum Dogar, Kamar Jamil, Assad Hussain, (unten) Mohammed Karrar, Bassam Karrar and Zeeshan Ahmed.

Ein schrecklicher Missbrauchs-Skandal erschüttert Grossbritannien: Sieben Männer wurden in Oxford schuldig gesprochen, mindestens sechs Mädchen vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen und physisch sowie psychisch gefoltert zu haben – und das über acht Jahre lang. Die Opfer seien «durch die Hölle» gegangen und zu «extrem verdorbenen» Handlungen gezwungen worden, heisst es im Urteil.

Die sieben Täter, alle asiatischer oder nordafrikanischer Herkunft, suchten sich ihre Opfer gezielt aus: Mädchen im Alter von 11 bis 15 Jahren, die in schwierigen Verhältnissen aufgewachsen sind und wenig Liebe und Schutz erfahren haben. Anfangs köderten sie die verletzlichen Kinder mit Aufmerksamkeit, Geschenken und Drogen.

Von «Kunden» vergewaltigt und blutig geschlagen

Das erste Opfer lernte ihre künftigen Peiniger 2004 auf den Strassen Oxfords kennen, als sie die Schule schwänzte. Akthar Dogar fuhr die damals 12-Jährige in seinem schwarzen Mercedes herum, hörte ihr bei ihren Beschwerden über ihre Eltern zu und schenkte ihr erst Parfüm, später Cannabis und Kokain. Bald verlangte er Gegenleistungen. Unter Gewaltandrohung zwang er das Mädchen, ihn und seine Freunde «glücklich zu machen». «Wir verbrennen deinen kleineren Bruder, wenn du es nicht tust.»

Doch es ging noch weiter. Für 600 britische Pfund (umgerechnet 880 Franken) wurde ihr Körper an andere Männer verkauft. Sie wurde zum Sex mit Männern gezwungen, die aus dem ganzen Land dafür anreisten, oft drei oder vier gleichzeitig. Geprägt war das Ganze von Sadismus: Das Mädchen wurde von den «Kunden» ihrer Peiniger vergewaltigt, blutig geschlagen, gewürgt – und immer wieder dabei gefilmt.

Mit glühender Haarnadel gebrandmarkt

Nach und nach erweiterten Akthar Dogar und seine Schergen den Kreis ihrer Opfer. Alle mussten Ähnliches durchmachen wie das erste Mädchen. Das jüngste Opfer war gerade mal 11 Jahre alt, als sie Dogars Komplizen Mohammed Karrar kennenlernte. Sie sei ihm von einem anderen, bislang unbekannten Mann «verkauft» worden. Karrar brannte seine Initialen mit einer glühenden Haarnadel in ihre Haut. Die Botschaft war klar: Du gehörst mir.

Als sie mit 12 schwanger wurde, wurde sie zu einer gefährlichen illegalen Abtreibung in einem Hinterzimmer gezwungen. Einmal bedrohte sie Karrar mit einem Messer. Dieser schlug sein Opfer mit einem Baseball-Schläger auf den Kopf und vergewaltigte sie, während sie bewusstlos war. Ein andermal spritzte er ihr Heroin. Das Mädchen war während des Prozesses noch so verängstigt, dass sie nicht in einem Raum mit ihren Peinigern sein konnte. Sie machte ihre Aussage per Video-Übertragung.

«Die Mädchen wurden im Stich gelassen»

Während acht Jahren konnte die Gang weitgehend unbehelligt operieren. Mehrmals meldeten sich die Mädchen bei der Polizei. Doch immer wieder zogen sie ihre Aussagen nach Gewaltandrohungen zurück. Einmal rief ein Gast einer Pension den Notruf, weil er die Schreie eines der Mädchen gehört hatte. Doch auch hier zog sich das Mädchen zurück.

Die örtliche Polizeichefin, Joanna Simmons, bedauert die Versäumnisse: «Es tut uns unglaublich leid, dass wir dem nicht früher ein Ende setzen konnten. Wir hatten es mit einer gewieften Verbrecherbande zu tun.» Gemäss «Telegraph» wusste die Polizei von mindestens vier Fällen, ging ihnen aber nicht weiter nach, als die Opfer ihre Anklage zurückzogen.

«Du verschwendest unsere Zeit»

Das jüngste Mädchen etwa brachte zweimal den Mut auf – einmal 2005, einmal 2007, sich bei der Polizei zu melden. Nichts passierte. Auch die Sozialarbeiter wussten teilweise, was geschah – das gab einer vor Gericht zu –, doch sie handelten nicht. Ein Vertreter der Organisation «Stop Child Abuse» sagt zur «Sun»: «Die Mädchen wurden von denen im Stich gelassen, die sie hätten beschützen sollen. Offensichtliche Zeichen von Missbrauch wurden ignoriert.»

Auch das erste Mädchen erhebt schwere Vorwürfe: «Die Polizei drohte damit, mich zu verhaften, weil ich ihre Zeit verschwende», zitiert sie der «Telegraph». «Wenn ein Kind mit Zigarettenverbrennungen und blauen Flecken auftaucht, sieht man doch, dass etwas nicht stimmt. Erwachsene sollten ihren Job machen. Das liegt nicht an einem Kind.»

Gab es weitere Opfer?

Der Prozess gegen Akthar Dogar und seine Bande hat vier Monate gedauert. Der 32-jährige Anführer und sein 31-jähriger Bruder Anjum wurden in mehreren Fällen der Vergewaltigung und anderen Verbrechen schuldig gesprochen. Das Bruderpaar Mohammed und Bassam Karrar – 38 respektive 33 Jahre alt – wurden unter anderem wegen Sex mit Minderjährigen, Vergewaltigung und Förderung von Kinderprostitution verurteilt. Drei weitere Männer wurden wegen sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig gesprochen.

Sechs Mädchen sagten vor Gericht aus. Doch die Polizei geht von weiteren Opfern und Tätern aus. Die Verurteilten bleiben im Gefängnis, bis nächsten Monat das Strafmass festgelegt wird. Der Fall erinnert an eine ähnliche Gang im englischen Rochdale: Im Mai 2012 wurden neun Männer verurteilt, weil sie Mädchen vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen hatten.

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