Sex, Glücksspiel, Korruption - Hochadel Europas unter Verdacht
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Sex, Glücksspiel, Korruption - Hochadel Europas unter Verdacht

Die Festnahme von Viktor Emanuel von Savoyen, Sohn des letzten italienischen Königs, wegen Verwicklung in schmutzige Spielbank-Geschäfte hat ganz Italien erschüttert - jetzt geriet ein weiterer europäischer Adliger ins Visier der Behörden.

Die Ermittlungen wegen gezinkter Spielautomaten, Betrugs sowie Ausbeutung von Prostituierten ziehen weitere Kreise im europäischen Hochadel: Auch der einstige bulgarische König Simeon II. soll laut italienischer Medien verwickelt sein.

Der Adlige aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha, der von 2001 bis 2005 in Sofia Ministerpräsident war, ist ein Vetter Viktor Emanuels. Der wiederum sitzt seit Freitagabend im Gefängnis von Potenza in Süditalien und weist alle Beschuldigungen zurück.

Aufgewühlt

Italien ist an Skandale gewöhnt, doch selten hat eine Affäre das Land derart aufgewühlt: Rund ein Dutzend Verdächtige sitzen laut Behörden in Haft oder in Hausarrest, gegen ein weiteres Dutzend wird ermittelt. «Millionengeschäfte mit Spielautomaten und Sex - Viktor war der Anführer», titelt die Zeitung «Corriere della Sera».

Der Prinz habe mitgeholfen, Prostituierte aus Osteuropa ins schicke Kasino-Milieu einzuführen, berichtet ein anders Blatt. Es gehe auch um den Verdacht der Geldwäsche, illegale Spielautomaten seien bis nach Russland und Libyen verkauft worden.

Am Sonntag veröffentlichten Zeitungen weitere Peinlichkeiten: Der Prinz selbst habe Prostituierte aufgesucht, und sich dabei ziemlich knausrig gezeigt. Auch seine Schwester Maria Beatrice lässt kein gutes Haar an ihm: «Die Blondinen haben Viktor immer schon gefallen. Aber das ist jetzt zu viel.» Überhaupt geht sie mit dem Bruder scharf ins Gericht: «Er ist schwach, mit dem Alkohol lässt er sich gehen.»

Zuversichtlich

Der Blaublütler in der Zelle gibt sich optimistisch. «Glauben Sie wirklich, ich habe es nötig, Prostituierte für 2000 Euro «zu verleihen»? Ich habe nichts zu befürchten.» Empört ist dagegen sein Sohn Emanuele Filiberto, gegen den ebenfalls Ermittlungen laufen. «Sie haben ihn abgeholt wie einen Banditen», beschwert er sich.

Viktor Emanuel war erst vor vier Jahren mit Ehefrau Marina Doria und seinem Sohn nach 56 Jahren Exil nach Italien zurückgekehrt. Er ist der Sohn des letzten italienischen Königs Umberto II., der nach dem Zweiten Weltkrieg abdanken musste, weil das Königshaus sich mit Diktator Mussolini eingelassen hatte.

Nicht beliebt

Seit längerem ist der Königssohn in Italien nicht mehr sonderlich beliebt, immer wieder gab es Negativ-Schlagzeilen. Etwa 1991, als er in Paris wegen des Todes eines deutschen Studenten vor Gericht stand.

Der Nobelmann soll sich 1978 auf seinem Boot in einem Hafen von Korsika im Zuge eines Streits dermassen erregt haben, dass er zu einem Gewehr griff und um sich schoss - eine Kugel schlug durch den Rumpf eines anderen Schiffes und tötete den schlafenden Deutschen.

Das Pariser Gericht verurteilte Viktor Emanuel lediglich wegen unerlaubten Waffentragens zu einem halben Jahr Gefängnis mit Bewährung, die Eltern des Toten sprachen von einer «Beleidigung und Farce». Nach den neusten Vorwürfen meint die römische Zeitung «La Repubblica» kurz und bündig: «So geht eine Dynastie zu Ende.» (sda)

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