St. Gallen: «Sex in der Telefonkabine – das war spannend»
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St. Gallen«Sex in der Telefonkabine – das war spannend»

Ab nächstem Jahr muss die Swisscom keine Publifone mehr anbieten. Die Telefonkabine wird aus der Ostschweiz verschwinden. Oder doch nicht ganz?

von
lad

Ab 2018 baut die Swisscom die Telefonkabinen sukzessive ab. Im Video sehen Sie die Erfahrungen unserer Leser mit Telefonkabinen. (Video: viv)

Telefonkabinen gehören bald endgültig der Vergangenheit an. Grund: Sie werden heute kaum mehr genutzt, da fast alle ein Handy besitzen. «Von 2004 bis 2016 ist die Anzahl Gespräche von Telefonzellen aus um 95 Prozent zurückgegangen», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher. Bislang hatte des Telekom-Riese die Pflicht, Publifone zu unterhalten. 2018 entfällt diese.

Für die aktuell 198 Telefonkabinen in der Ostschweiz bedeutet dies das endgültige Aus. Ausser die Kabinen werden «gerettet» – von den Gemeinden beispielsweise. «Meldet eine Gemeinde das Bedürfnis an, eine Kabine weiterzunutzen, überlassen wir ihr diese kostenlos», sagt Hubacher weiter.

Defibrillator statt Telefon

Der Abbau der Telefonkabinen wird in den nächsten Jahren sukzessive stattfinden. Eine anderweitige Weiternutzung einer Telefonzelle ist jedoch möglich. So bereits geschehen in der Stadt St. Gallen an der Linsebühlstrasse 97. Diese Telefonzelle wurde 2014 vom Quartierverein Südost in die kleinste Hol-Bring-Bücherei umfunktioniert. Das Prinzip ist einfach: Interessierte können sich in der Kabine kostenlos an den Büchern bedienen, als Gegenleistung lassen sie eigene Bücher da.

Bisher gibt es rund 40 bis 45 umgenutzte Telefonkabinen in der Schweiz. Die meisten «geretteten» Telefonzellen befinden sich in Lausanne, wo sie ebenfalls wie an der Linsebühlstrasse als Büchertauschbörse genutzt werden. Im Tessin wurden mehrere Telefone durch Defibrillatoren ersetzt.

Grundsätzlich offen für Projekte

Bei der Stadt St. Gallen zeigt man sich aufgeschlossen gegenüber der Umnutzung von Telefonkabinen. «Grundsätzlich sind wir offen für solche Anfragen», sagt Sabine Hosennen, Mitarbeiterin Kommunikation bei der Stadt St. Gallen. Ob das Projekt bewilligt würde oder nicht, müsse dann geprüft werden und sei abhängig vom Vorschlag.

Auch bei der Stadtverwaltung Buchs zeigte man sich offen für eine Umnutzung einer Telefonkabine. «Als die Swisscom eine der Telefonkabinen in der Stadt abbauen wollte, haben wir nachgefragt, ob die Stadtbibliothek sie nutzen wolle», so Markus Kaufmann, Stadtschreiber von Buchs. Doch nach deren Absage würde die Stadt nun auf die Zelle verzichten.

20 Minuten hat sich auf der Strasse umgehört. Die Leser berichten von verschiedenen Erfahrungen mit Telefonkabinen. «Ich habe einmal ein Paar beobachtet, das Sex in einer Telefonkabine hatte, das war spannend», sagt Nadine Nussle (40) aus St. Gallen. Martin Zimmermann (60) erzählt, wie er sich einmal mit vier weiteren Personen in eine Telefonzelle zwängte, weil es draussen zu kalt war.

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