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Vatileaks-ProzessSex mit dem Monsignore, Lügen und Drohungen

Ein spanischer Priester und eine PR-Mitarbeiterin des Vatikans sitzen in der Vatileaks-Affäre vor Gericht. Jetzt kommen jede Menge pikante Details ans Licht.

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Die PR-Beraterin Francesca Immacolata Chaouqui und der spanische Priester Lucio Vallejo Balda sitzen nebeneinander vor einem Gericht im Vatikan. Die beiden reden nicht miteinander, obwohl sie früher in einer vatikanischen Kommission zur Überprüfung der Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen (genannt Cosea) eng zusammengearbeitet hatten. Chaouqui und Vallejo Balda sind heute grösste Feinde.

Die PR-Frau und der Monsignore werden beschuldigt, Informationen an den italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi und Emiliano Fittipaldi weitergegeben zu haben. Anfang November veröffentlichten die Reporter zwei Bücher, in denen sie dem Vatikan unter anderem schamlose Geldverschwendung vorwerfen.

Sex in Florenz

Am 8. November legte Monsignore Vallejo Balda ein schriftliches Geständnis ab. Den hochbrisanten Inhalt des Dokuments hat die Zeitung «La Repubblica» am Montag publik gemacht. Darin lässt der Priester kein gutes Haar an Francesca Chaouqui. Die Kommunikationsberaterin habe ihn am 28. Dezember 2014 in Florenz verführt, gibt der Geistliche an. Es sei zum Sex gekommen, gibt Vallejo Balda zu.

Der Priester habe jedoch Angst vor Chaouqui gehabt — vor allem, nachdem sie ihm erzählt habe, dass sie Mitarbeiterin des italienischen Geheimdienstes sei. Ihre Ehe zu ihrem Mann Corrado Lanino, einem IT-Spezialisten, sei nur vorgetäuscht. Lanino führe eigentlich eine Beziehung mit einer anderen Frau. Als Beweis dafür soll Chaouqui dem Monsignore Fotos von ihrem Mann und seiner Gespielin geschickt haben.

Chaouqui stellte den Kontakt zu den Journalisten her

Bis zum Sommer 2014 hatten Chaouqui und Vallejo Balda ein normales Arbeistsverhältnis. Das änderte sich, als die Cosea-Kommssion aufgelöst wurde. Chaouqui glaubte, Vallejo Balda würde ihr zu einer Festanstellung beim Vatikan verhelfen. Als dies nicht geschah, sei die Frau wütend geworden. «Sie wurde gewalttätig und sehr böse. In ihren SMS nannte sie mich Idiot.»

In seinem Geständnis erklärt der Priester, dass Chaouqui den Kontakt zu beiden angeklagten Journalisten Fittipaldi und Nuzzi im März dieses Jahres hergestellt habe und den beiden während eines Aperos das kompromittierende Material aushändigte.

Papst äussert sich erstmals darüber

Gegenüber «Il Messaggero» dementierte Francesca Chaouqui die Aussagen des Geistlichen: «So wie Vallejo Balda sexuell orientiert ist, wird er kein Interesse gehabt haben, mit mir ins Bett zu gehen», sagt sie. «Ich umgebe mich mit Milliardären und Emiren, wieso sollte ich meinen Mann mit einem alten Priester, dem die Frauen nicht gefallen, untreu sein?»

Sie droht nun, rechtlich gegen Vallejo Balda vorzugehen. «Ihm zuzuhören, wie er grinsend seine Lügen verbreitet, ohne sich dafür zu schämen, ärgert mich mehr als die Lügen an sich.»

Aufgrund der pikanten Enthüllungen ist nun der Vatileaks-Prozess auf den 7. Dezember vertagt worden. Am meisten regt sich wohl Papst Franziskus darüber auf, wollte er doch den Skandal in einem Eilverfahren bis am 8. Dezember hinter sich bringen. Auf dem Rückflug aus Afrika sprach der Pontifex mit den italienischen Medien. Gefragt, was er von der Vatileaks-Affäre halte, meinte Franziskus: «Ich habe einen Riesenfehler begangen, als ich Monsignore Vallejo Balda und Francesca Chaouqui in die Cosea-Kommission berief.»

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