6 Euro pro Nacht: Sex-Steuer-Automat für Strassenstrich
Aktualisiert

6 Euro pro NachtSex-Steuer-Automat für Strassenstrich

Nicht nur die Liebesdienerinnen auf dem Strassenstrich in Bonn sollen Geld verdienen. Die hohle Hand machen auch die Behörden. Sie setzen zum Eintreiben der Sex-Steuer auf einen Ticket-Automaten.

von
sas
Skurrile Idee der Stadt Bonn: Sexsteuer-Automat für Prostituierte

Skurrile Idee der Stadt Bonn: Sexsteuer-Automat für Prostituierte

Eigentlich sieht der Kasten aus wie ein fast normaler Ticketautomat: Münzschlitz, Ausgabefach, leuchtendes Display. Da heisst es: «Die Nacht 6 Euro». Diesen Betrag zahlen nicht etwa die Freier für den Autostandplatz in der Verrichtungsbox (diese durch Holzwände abgetrennten schmucklosen Kojen stehen ab Frühjahr 2012 auch in Zürich), sondern die Prostituierten. Ihnen knüpfen die Bonner Behörden für die Nummer vor der Nummer 6 Euro Steuern ab: Von Montag bis Sonntag 20.15 bis 6 Uhr – unabhängig von der Anzahl bedienter Kunden.

Bonn kann diese Einnahmen gut gebrauchen. Die Stadtkasse ist gähnend leer. Seitens der Stadtverwaltung geht es aber nicht nur ums Erschliessen einer neuen Einnahmequelle: «Der Automat dient auch der Steuergerechtigkeit», sagte Stadt-Sprecherin Monika Frömbgen laut «sueddeutsche.de». Prostituierte in festen Etablissements wie Bordellen oder Saunaclubs seien schliesslich auch steuerpflichtig.

Einnahmen von 300 000 Euro

Die Stadt Bonn hatte die Sexsteuer bereits Anfang 2011 eingeführt und erwartet Einnahmen in der Höhe von rund 300 000 Euro. Laut Stadtsprecherin Frömbgen haben die Liebesdienerinnen aber nur wenig Verständnis für die Abgabe. Zudem seien sie der deutschen Sprache oft nicht mächtig, was zu Problemen beim Ausfüllen der Steuererklärung führe.

Ein Besuch auf dem Strich der Zukunft

Mit dem Automaten fürs Tages- bzw. fürs Nachtticket, der seit Montag im «Verrichtungsgelände» im Einsatz ist, werden die Prostituierten des Strassenstrichs punkto Bürokratie entlastet. Ob die Zahlungsmoral aber zunimmt, ist hingegen eine andere Frage. Kontrolleure des städtischen Steueramts werden künftig prüfen, ob die Frauen ein Ticket gelöst haben. Ohne gültigen Schein drohen ihnen Verwarnungen, Bussen und Platzverweise.

Mit dem Sexsteuer-Automaten nimmt Bonn eine Vorreiterrolle ein. Weder beim deutschen Städte- noch beim Gemeindebund kennt man Gleiches. Am ähnlichsten ist noch die Methode der Stadt Dortmund. Dort können Prostituierte ihr Ticket in einer nahen Tankstelle kaufen.

Sex-Steuern sind in Deutschland ein probates Mittel, um die klammen Stadtkassen zu füllen. In Köln gibt es eine derartige Abgabe bereits seit 2004. 2009 resultierten daraus Einnahmen von rund 800 000 Euro.

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