Aktualisiert 06.02.2008 12:02

Sex-Terror gegen Zürcher Mutter

Es war die perfide Rache eines Zürcher Sozialarbeiters: Um sich an einer verhassten Nachbarin zu rächen, hat er die private Telefonnummer der Mutter mit eindeutigen Angeboten in diversen Sex-Kinos an die WC-Wände gekritzelt. Heute war Gerichtstermin.

«Es war sehr primitiv, aber ich wollte, dass sie auch einmal geplagt wird», erklärte der heute 45-jährige Angeklagte am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich. Der Sozialarbeiter zeigte sich grundsätzlich geständig. Demnach hatte er im letzten März auf WC-Wänden von mehreren Zürcher Sex-Kinos die private Telefonnummer seiner langjährigen Nachbarin angebracht. Mit eindeutigen Angeboten wie: «Mutter und Tochter suchen geile Männer für tabulosen heissen Sex» oder «Mutter und Tochter (19) suchen spritzfreudige Hengste».

Anrufe selbst aus London

Für die geschädigte Zürcherin folgten beklemmende Wochen. So wurde sie von diversen unbekannten Männern regelmässig angerufen. Wobei diese sexuelle Kontakte wünschten oder perverse Bemerkungen gegenüber der geschockten Frau machten. Die im Gerichtssaal anwesende Geschädigte berichtete, dass sich einige der Personen während des Gesprächs auch selber befriedigt hätten. Besonders schlimm sei, dass auch ihre achtjährige Tochter einige der schlüpfrigen Telefonate entgegen genommen habe, führte die Mutter aus. Sie habe sogar Anrufe aus London erhalten. «Das ist Psychoterror», sagte sie vor den Schranken aus.

Auch Damenunterwäsche zugestellt

Doch damit nicht genug. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Angeklagte im Namen seiner Gegnerin auch Damenunterwäsche für über 140 Franken bestellt und ihr zusenden lassen.

«Das war ein Riesenfehler», erklärte der Angeklagte dazu. Sein Tatmotiv war ein langjähriger Konflikt mit seiner Nachbarin. Die zuständige Staatsanwältin hat den aufgeflogenen Familienvater per Strafbefehl wegen Urkundenfälschung sowie mehrfachen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage zu einer bedingten Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu 80 Franken sowie 300 Franken Busse und Übernahme der Kosten von über 1000 Franken verurteilt.

Trotz Geständnis Freispruch verlangt

Vor Gericht liess der Angeklagte seinen Rechtsanwalt trotz Geständnis auf einen vollen Freispruch plädieren. Aus rechtlichen Gründen. Bei der als Urkundenfälschung eingeklagten Bestellung von Damenunterwäsche sei kein finanzieller Schaden entstanden, sagte der Verteidiger. Bei den Belästigungen seien die über zwanzig Telefonate gar nicht erwiesen, fuhr er fort. Was das Gericht dazu veranlasste, den nun doch noch umstrittenen Fall an die Anklagebehörden zwecks Beweisergänzung zurückzuweisen. Für den zuständigen Einzelrichter Peter Budliger war nämlich klar, dass keine Bagatelle vorliegt und strafrechtliche Konsequenten erfolgen sollen. Die gute Nachricht zuletzt: Der Angeklagte hat unterdessen seinen Wohnort verlassen. Womit die Gefahr künftiger Konflikte wohl gebannt sein dürfte.

Attila Szenogrady, 20minuten.ch

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