Sex- und Gewalttäter sind häufig ledig
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Sex- und Gewalttäter sind häufig ledig

Faktoren wie die Ausbildung sind kaum entscheidend, ob ein Mensch zum Gewalt- oder Sexualtäter wird. Mehr Bedeutung kommt Merkmalen der Persönlichkeit zu. Zu diesem Schluss kommt die Zürcher Forensik-Studie von Psychiater Frank Urbaniok.

Die berufliche Ausbildung von Gewalt- und Sexualstraftätern war unauffällig, sagte Astrid Rossegger, Mitautorin der Studie «Therapie-Evaluation und Prädiktorenforschung», am Mittwoch vor den Medien in der Regensdorfer Strafanstalt Pöschwies. 58 Prozent von ihnen hätten eine Lehre abgeschlossen. Dies unterscheide sich nicht signifikant von der Normalbevölkerung.

Die Studie zeige jedoch auf, dass bei vergleichbarer Ausbildung erheblich mehr Gewalt- und Sexualstraftäter nicht erwerbstätig waren. Zudem waren gemäss Rossegger die untersuchten Personen deutlich seltener verheiratet als die Allgemeinbevölkerung (24 Prozent gegenüber 59 Prozent). Zur Tatzeit waren 53 Prozent ledig.

469 Täter untersucht

Die vom Bundesamt für Justiz unterstützte Studie wurde von August 2000 bis März 2005 durchgeführt. Verantwortlich dafür waren Mitarbeiter des Psychiatrisch-Psychologischen Diensts (PPD) vom Zürcher Amt für Justizvollzug. Sie stützten sich ausschliesslich auf Aktenmaterial und führten keine Gespräche mit den 469 Gewalt- und Sexualstraftätern. Diese verbüssten eine Strafe von mindestens 10 Monaten.

Wie Psychiater Frank Urbaniok erklärte, habe die Studie keine klare Botschaft. Vielmehr liessen sich Trends ablesen. Diese müssten noch weiter untersucht werden, sagte Urbaniok.

Ausländer töten häufiger

66 Prozent waren Gewaltstraftäter, 34 Personen Sexualstraftäter. 56 Prozent der Täter waren Schweizer, 44 Prozent Ausländer. Die Ausländer lassen sich aufteilen in die EU-Länder (29 Prozent), Balkan-Länder (27 Prozent) und sonstige (45 Prozent). Der Altersdurchschnitt lag bei 35,5 Jahren. 96 Prozent der Untersuchten waren Männer.

Gemäss Studie hängt der Anteil an Ausländern und Schweizern stark vom Delikt ab. So wurden 77 Prozent aller Fälle von sexuellen Handlungen mit Kindern von Schweizern begangen. Tötungsdelikte wurde hingegen häufiger von Ausländern verübt (55 Prozent).

Punkto familiärer Vorgeschichte wuchsen 63 Prozent bei beiden Eltern auf, 11 Prozent im Heim. 26 Prozent stammten aus Familien mit Alkoholmissbrauch. Bei 4 Prozent war ein Familienmitglied an Schizophrenie erkrankt. Dies sei markant höher als in der Normalbevölkerung, sagte Rossegger.

Gewalt- und Sexualstraftäter erlebten in etwa gleich viel Gewalt in der Kindheit. Allerdings erfuhren Sexualstraftäter mehr sexuelle Gewalt in der Kindheit. Trotz dieser Werte sagte Urbaniok: «Es scheint einen nennenswert grossen Anteil von Tätern zu geben, bei denen es keine offensichtlich schädigenden Einflüsse in der Kindheit gab.»

Rückfälligkeit

40 Prozent der Täter, welche die Gelegenheit hatten, wurden mit irgendeinem neuen Delikt rückfällig. Bei 12 Prozent war es ein Gewalt- oder Sexualdelikt. Mit jedem Rückfall werde es unwahrscheinlicher, dass ein Täter die Kurve noch kriegen wird, sagte Urbaniok.

Die Rückfallraten für allgemeine Rückfälligkeit variiere je nach Therapie, so Urbaniok. Den tiefsten Wert erhielt die vom PPD durchgeführte deliktorientierte Therapie. Urbaniok räumte jedoch ein, dass dieses Resultat nicht überzubewerten sei.

(sda)

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