Aktualisiert 11.02.2010 16:01

«Mukatagate»Sex- und Korruptionsskandal auf höchster Ebene

Schon längst war es ein offenes Geheimnis: Das Umfeld des palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas ist korrupt. Doch die Beweise dafür fehlten. Diese holte sich ein Beamter einer Anti-Korruptionseinheit mit einer versteckten Kamera. Dafür muss er nun um sein Leben fürchten.

von
kle

Der unbequeme Protagonist dieses Enthüllungskrimis heisst Fahmi Shabaneh. Der Anwalt wurde im Jahr 2005 vom palästinensischen Geheimdienst beauftragt, gegen die Korruption zu kämpfen. Kürzlich stand er vor der Kamera des Fernsehsenders TV10 und kündigte an: «Abu Mazen (Präsident Mahmud Abbas, Anm. d. Red.) hat zwei Wochen Zeit, um die korrupten Beamten festzunehmen und seinen Generalsekretär Rafik Husseini zu entlassen.» Sollte das nicht passieren, «werde ich alles sagen, was ich weiss.» Und er weiss viel.

Shabaneh hat konkrete Beweismittel gegen Husseini in der Hand. «Vor anderthalb Jahren kam eine Frau zu mir und sagte, sie gehe in die Mukata (Administrationsgebäude in Ramallah, Anm. d. Red.), um sich um eine Stelle zu bewerben. Generalsekretär Husseini hatte ihr versprochen zu helfen – gegen sexuelle Dienste», so schildert Shabaneh, wie es zu dem Video kam, das nun «Mukatagate» auslöste.

Shabaneh begleitete die junge Frau und nahm zwei Kameras mit. Beim Bewerbungsgespräch wurde die junge Frau erwartungsgemäss ins Schlafzimmer geladen. Husseini ging schon mal vor und zog sich nackt aus. Doch statt der Bewerberin stand Shabaneh neben dem Bett. «Zum Glück seid ihr nicht die israelische Armee», witzelte Husseini noch, während er eilig die Unterhosen wieder hochzog.

Der Schuss ging nach hinten los

Shabaneh ging – bis zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch voller Stolz auf seinen Erfolg – mit dem pikanten Aufnahmen zu seinem Chef, Abu Mazen. Der gilt als ehrlicher Mann innerhalb der Regierung. Abu Mazen sah sich das Video an. Darin lässt Husseini auch am ehemaligen Palästinenserchef Jassir Arafat, dem Übervater des palästinensichen Widerstands, kein gutes Haar: «Das war der grösste Dieb von allen». Und Jassir junior sei nicht besser, soll Husseini weiter gelästert haben.

Nachdem er das Video gesehen habe, sei Abu Mazen stinksauer gewesen, erinnert sich Shabaneh. Doch zu seiner grossen Überraschung richtete sich der Zorn des Präsidenten nicht etwa gegen den Untergebenen, sondern gegen ihn: Fahmi Shabaneh wurde auf der Stelle entlassen. Wenige Tage später wurde er – angeordnet von Rafik Husseini – in Jerusalem festgenommen. Doch ans Aufgeben denkt Shabaneh nicht. «Ich habe extrem brisantes Material. Ich bin bereit zu sterben, damit das palästinensische Volk das zurückbekommt, was die korrupten Regierungsmitglieder gestohlen haben.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.