Sex-Video: Zweite Frau im Iran verhaftet
Aktualisiert

Sex-Video: Zweite Frau im Iran verhaftet

Die Schauspielerin Zahra Ebrahimi bestreitet, im x-tausendfach verkauften Sex-Video die Akteurin zu sein. Jetzt hat der iranische Generalstaatsanwalt eine zweite Frau verhaftet. Auch ihr droht der Tod durch Steinigung. 20minuten.ch sprach mit der Präsidentin des «Internationalen Komitees gegen Steinigung», Mina Ahadi, über die neusten Entwicklungen.

20Minuten.ch

Frau Ahadi, wie ist der Stand der Dinge in der Affäre Ebrahimi (20Minuten.ch berichtete)?

Mina Ahadi

Die Angelegenheit ist ernst. Der Generalstaatsanwalt [Ghaorbanali Dorri-Nadchsafabadi, Red.], ein gefürchteter Mann, hat die Ermittlungen in die Hand genommen.

Ebrahimi dementiert, dass sie die Frau im Videoclip ist. Ihr Ex-Verlobter ist aber zweifelsfrei identifiziert worden. Vor kurzem ist eine andere Frau verhaftet worden, sie ist 24-jährig und heisst Sakine.

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Ist sie die Frau auf dem Video-Clip?

Ahadi

Die beiden Frauen ähneln sich sehr. Sakine ist mit 22 von zu Hause weggelaufen. In verschiedenen Zeitungen wird behauptet, sie habe Geld bekommen, damit sie im Video-Clip mitgemacht habe. Ebrahimis Ex-Verlobter könnte den Clip als Racheakt gedreht haben.

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Kommt es im Iran oft vor, dass Mädchen von zu Hause weglaufen?

Ahadi

Viele Mädchen leben auf der Strasse. Sie sind von zu Hause weggelaufen, weil sie keine Perspektive hatten, oder weil sie ihre Jungfräulichkeit verloren haben, was grosse Probleme verursacht.

Auf der Strasse sind sie Freiwild; viele werden vergewaltigt, oft werden sie verhaftet und drei, vier Monate festgehalten.

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Wie steht die Öffentlichkeit im Iran zur Steinigung?

Ahadi

Mittlerweile sind viele gegen die Steinigung, sogar gegen die Todesstrafe, die wegen Bagatellen verhängt wird.

Zu Beginn, also als diese barbarische Strafe nach der Revolution 1979 eingeführt wurde, war eine Steinigung ein Spektakel. Viele gingen hin - und wurden traumatisiert von der Grausamkeit.

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Wird die Steinigung im Iran überhaupt noch vollstreckt?

Ahadi

Verhängt wird die Strafe nach wie vor, aber vollzogen wird sie seltener - auch wegen des Drucks aus Europa.

Die bisher letzte Steinigung hat jedoch erst vor drei Monaten in Meschhed stattgefunden - in der Nacht und geheim. Es handelte sich um einen Mann und eine Frau. Sie wurden lebend ins Leichenhaus gebracht, dort gewaschen und mit Leichengewändern bekleidet. Danach wurden sie auf den Friedhof gebracht und gesteinigt.

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Man hat sie gewissermassen in ihren Gräbern gesteinigt?

Ahadi

Ja.

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Wie spielt sich eine Steinigung denn ab? Wer wirft die Steine?

Ahadi

In der Theorie muss die Steinigung in der Öffentlichkeit stattfinden, wegen der Abschreckung. In der ersten Reihe stehen nur Polizisten und Pasdaran [Revolutionswächter, Red.], in der zweiten Reihe folgen z.B. die Leute, die mit dem Auto Steine mitgebracht haben, dann der Rest. Ein Mullah wirft den ersten Stein.

In letzter Zeit finden die Steinigungen aber eher in der Nähe eines Gefängnisses statt, bei Nacht, im Geheimen.

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Welche Leute werden Opfer dieser grausamen Justiz?

Ahadi

Ein typisches Beispiel ist jene Frau, die mit 16 Jahren zwangsverheiratet wurde, in armen Verhältnissen zwei Kinder bekam, von ihrem Mann zur Prostitution gezwungen wurde (er brachte die Freier nach Hause), dann verhaftet und wegen ausserehelichem Sex zum Tod durch Steinigung verurteilt wurde. Sie ist immer noch in Haft.

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Frau Ahadi, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Dani Huber

Mina Ahadi

Die 50-jährige Exil-Iranerin, die in Deutschland lebt, kämpft für die Rechte der Frauen, die durch islamische Gesetze und Traditionen unterdrückt werden. Hauptanliegen ihrer Arbeit als Menschen- und Frauenrechtlerin ist der Kampf gegen die noch immer in einigen Ländern praktizierte Steinigung.

Im Jahr 2001 gründete sie das «Internationale Komitee gegen Steinigung».

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