Rachepornos: Sex-Videos der Ex ins Netz gestellt – Freispruch
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RachepornosSex-Videos der Ex ins Netz gestellt – Freispruch

Ein Urteil des Bezirksgerichts Lenzburg gibt zu reden: Ein Mann, der Porno-Videos seiner Ex-Freundin im Internet veröffentlichte, wurde deswegen nicht verurteilt.

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Rachepornos im Internet: Das Veröffentlichen expliziter Fotos und Filme von Ex-Partnern wird nicht überall auf der Welt gleich hart bestraft. (Symbolbild)

Rachepornos im Internet: Das Veröffentlichen expliziter Fotos und Filme von Ex-Partnern wird nicht überall auf der Welt gleich hart bestraft. (Symbolbild)

Das Veröffentlichen von so genannten Rachepornos – Sexfilme mit dem ehemaligen Partner, um diesen zu demütigen – ist in der Schweiz nicht explizit verboten. Während es in England und in manchen US-Bundesstaaten hohe Strafen gibt, können Opfer in der Schweiz nur wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte klagen.

Dies tat die 47-jährige Nicole*, wie die «Aargauer Zeitung» am Freitag berichtet. Die Deutsche war mit dem französischstämmigen François* liiert – und dieser schien grössere Probleme mit der Trennung zu haben, wie sich vor dem Bezirksgericht Lenzburg zeigte.

Verurteilt wegen Stalking, nicht wegen Sex-Videos

Das Bezirksgericht verurteilte François zu einer bedingten Geldstrafe von 60'000 Franken und einer Busse von 10'000 Franken. Laut «Aargauer Zeitung» hatte der Mann Nicole nach der Trennung gestalkt: Er hatte ihr unter anderem gedroht, sie mit dem Auto verfolgt und ihr Auto beschädigt. Der Verurteilte akzeptiere das Urteil nicht und habe über seinen Anwalt bereits Berufung angemeldet.

Mehr zu reden als die Stalking-Vorwürfe geben die Racheporno-Vorwürfe. «Es ist erwiesen, dass ihr Ex-Partner pornografische Bilder und Videos ins Netz stellte», sagt Nicoles Anwalt. Das Gericht sah es allerdings als erwiesen an, dass Nicole dem Beschuldigten dafür die Einwilligung gegeben habe: Gegenüber der Polizei hatte sie ausgesagt, sie habe François mitgeteilt, er solle die Bilder doch veröffentlichen, wenn ihn das befriedige, als er ihr die Veröffentlichung angekündigt habe.

Denkwürdig allerdings das von François gewählte Vorgehen: Er habe ein falsches Facebook-Profil unter Nicoles Namen erstellt und von dort aus Links mit den Rachepornos an ihre Freunde, Bekannte und Verwandte verschickt. Nicole war voll erkennbar, erschien überall unter ihrem vollem Namen und Beruf. Trotzdem kam das Bezirksgericht zum Schluss, dass sich François nicht der üblen Nachrede schuldig gemacht habe.

Juristische Feinheiten

Ein abschliessendes Urteil – einen «Leitentscheid» des Bundesgerichts in Sachen Rachepornos – gibt es gemäss Nicoles Anwalt noch nicht. Dabei wird es bis auf Weiteres bleiben: Der Anwalt wolle das Verfahren in Sachen Racheporno nicht weiterziehen. Seine Mandantin hoffe nun nach dem Prozess, dass die Belästigungen endlich aufhörten, sagte er der Zeitung.

Das Bezirksgericht Lenzburg wollte sich, so ist der «Aargauer Zeitung» zu entnehmen, nicht so recht darauf festlegen, ob ein Racheporno nach Schweizer Recht nun zivil- oder strafrechtlich relevant sei. So hielt das Gericht einerseits fest: «Pornografie ist an sich nicht ehrverletzend und das Verhalten des Beschuldigten würde zivilrechtlich zweifellos eine Persönlichkeitsverletzung darstellen – ob es allerdings auch strafrechtlich relevant ist, ist fraglich.» Die Frage beantwortete das Gericht dann mit dem Urteil, dass sich der Beschuldigte «nicht der üblen Nachrede schuldig gemacht hat». Für Nicoles Anwalt ist das auch nach dem Prozess nicht nachvollziehbar: «Aus meiner Sicht wird das Opfer durch ein solches Verhalten in seiner Ehre verletzt.»

*Namen geändert

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