Pünktlich vor den Wahlen: Sex-Videos fordern Opfer im türkischen Parlament
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Pünktlich vor den WahlenSex-Videos fordern Opfer im türkischen Parlament

Nach der Veröffentlichung von pikanten Internet-Videos sind zehn türkische Politiker zurückgetreten. Die Filme zeigen angeblich verheiratete Mitglieder der Oppositionspartei MHP bei geheimen Treffen mit jungen Geliebten.

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Seit Ende Mai sorgen mehrere heimlich gefilmte Videos in der Türkei für Aufruhr. Sie zeigen offenbar verheiratete Mitglieder der ultrarechten Oppositionspartei MHP bei geheimen Treffen mit jungen Frauen. Die Bilder kommen in einer heissen Phase ans Licht: Am kommenden Sonntag finden in der Türkei Parlamentswahlen statt.

Seit Veröffentlichung der Aufnahmen sind bereits zehn führende Politiker der MHP aus der Partei ausgetreten. Das Ganze sei eine Aktion der politischen Gegner, meint Umit Ozdag, Spitzenkandidat der MHP für den Posten des Ministerpräsidenten. «Als die Videos veröffentlicht wurden, waren Mitglieder unserer Partei enttäuscht. Ich war auch enttäuscht. Aber als unsere Wähler ihre Stimmen erhoben und sich gegen diese Anschuldigungen wehrten, änderte das alles», sagt er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Wer steckt hinter den Videos?

Tatsächlich scheinen sich viele MHP-Anhänger trotz der Skandal-Videos nicht von der Partei abgewandt zu haben. In Meinungsumfragen liegt die MHP noch immer bei bis zu 13 Prozent Stimmenanteil - und damit über der notwendigen Zehn-Prozent-Hürde für den Eintritt ins Parlament.

Meinungsforscher Adil Gur von der Forschungsgesellschaft A&G sagt: «Nach der Veröffentlichung der Videos befürchteten offenbar viele Wähler, die MHP würde unter die Zehn-Prozent-Hürde fallen. Wir haben beobachtet, dass viele ihre Stimmen gerade jetzt der MHP geben, um den Eintritt der Partei ins Parlament zu sichern.»

Noch ist unbekannt, wer hinter den Videos steckt. Treue MHP-Anhänger verdächtigen ausländische Geheimdienste. MHP-Anhänger Sukru Yazikoz ist überzeugt: «Das ist eine Operation der US-amerikanischen CIA, des israelischen Mossad und ihrer Hintermänner in der Türkei. Die Türken sind sich dessen bewusst und stehen einig hinter der MHP.» Andere MHP-Anhänger vermuten die regierende AKP und Premier Erdogan hinter dem Fall. Experten erwarten, dass Erdogan nach der Wahl am Sonntag seine dritte Amtszeit in Folge antreten wird.

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