Künstliche Befruchtung: «Sex wird man künftig nur noch zum Spass haben»

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Künstliche Befruchtung«Sex wird man künftig nur noch zum Spass haben»

Die Befruchtung im Reagenzglas löse bald die natürliche Fortpflanzung ab, sagt der Vater der Antibabypille und prophezeit seiner Erfindung das Ende.

von
kko

Die Antibabypille werde bis 2050 überflüssig sein, sagt der Entwickler der Antibabypille Carl Djerassi. Denn in Zukunft würden sich immer mehr Menschen aus Bequemlichkeit Eizellen und Spermien in jungen Jahren einfrieren lassen, sich danach einer Sterilisation unterziehen und wenn der Kinderwunsch da ist, der In-vitro-Fertilisation (IVF) bedienen.

Sex diene dann einzig und allein der Befriedigung und der Erholung und sei nicht mehr notwendig, um Kinder zu zeugen, sagt Djerassi in einem Interview mit der britischen Zeitung «Telegraph».

Sex und Fortpflanzung werden 100 Prozent getrennt

«Im Laufe der nächsten Jahrzehnte, sagen wir bis zum Jahr 2050, werden bei den fruchtbaren Frauen mehr IVF Befruchtungen erfolgen als bei den aktuell fünf Millionen, die reproduktiv eingeschränkt sind», ist der 91-jährige amerikanisch-österreichische Chemiker überzeugt. Die Trennung zwischen Sex und Fortpflanzung werde 100 Prozent sein.

Der emeritierte Professor geht davon aus, dass sich Frauen auch zunehmend für IVF entscheiden werden, um sich keine Sorgen mehr um die «biologische Uhr» machen zu müssen. Künstliche Befruchtung könnte die «normale Methode zur Kinderzeugung» werden.

Schon in einem früheren Gespräch mit der Zeitung hatte Djerassi erwähnt, dass diese Änderung auch das Ende der ungeplanten Schwangerschaften und deren Abbruch bedeuten könnte.

Stichwort Pille

Die Antibaby-Pille ist eine beliebte Verhütungsmethode: Schätzungsweise rund 500 000 Frauen in der Schweiz nehmen orale Kontrazeptiva. Doch das seit Anfang der 60er Jahre erhältliche Hormonpräparat hat Tücken: Zwar wurde die Pille im Laufe der vergangenen Zeiten kontinuierlich weiterentwickelt und von vielen ihrer Kinderkrankheiten befreit - doch Nebenwirkungen treten auch bei der neusten Generation niedrig dosierter Präparate auf. Frauen mit Gefässerkrankungen neigen durch die Einnahme der Pille eher zu Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfällen. Raucherinnen gehören ebenfalls zur Riskogruppe.

Ob die Einnahme von Kontrazeptiva die Entstehung von Krebs begünstigt, wurde bereits in diversen Studien untersucht. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Datenlage eher verwirrend: Während für die einen Krebsarten laut dem Horten-Zentrum für praxisorientierte Forschung und Wissenschaftstransfer das Risiko offenbar sinkt, könnten andere bösartige Erkankungen durch die Einnahme der Pille begünstigt werden.

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