Zwei Jahre in Betrieb: «Sexarbeit ist trotz Strichplatz nicht lustig»

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Zwei Jahre in Betrieb«Sexarbeit ist trotz Strichplatz nicht lustig»

Bis zu 30 Prostituierte pro Nacht, kaum Gewaltvorfälle und wenig Reklamationen von Nachbarn: Aus Sicht der Stadt Zürich hat sich der Strichplatz in Altstetten bewährt.

von
gio

Der Strichplatz ist seit zwei Jahren in Betrieb. (Video: Michael Fischer/Alice Grosjean)

Vor zwei Jahren hat die Stadt Zürich mit der Eröffnung des Strichplatzes am Depotweg in Altstetten die Strassenprostitution in einen geordneten Rahmen überführt – und gleichzeitig den Strassenstrich am Sihlquai aufgehoben. Nun zieht die Stadt eine positive Bilanz.

«Es hat natürlich eine gewisse Zeit gebraucht, bis die Frauen und Freier sich an die Anlage gewöhnt haben und hierhergekommen sind», sagt Barbara Ludwig, Leiterin des Geschäftsbereichs Sucht und Drogen der Stadt Zürich.

Im Durchschnitt arbeiten auf dem Strichplatz pro Abend zwischen 25 und 30 Prostituierte – diese Zahl hat sich stabilisiert. Es sind jedoch deutlich weniger als früher am Sihlquai. Wo die anderen Prostituierten nun sind, weiss sie nicht. «Wir können nur spekulieren», sagt Ludwig.

Sicherheit gewährleistet

Weil der Platz durchgehend von Mitarbeitern von Sicherheit Intervention Prävention der Stadt Zürich (Sip züri) oder der Frauenberatung Flora Dora betreut wird, könne die Sicherheit aller und der Gesundheitsschutz der Prostituierten gewährleistet werden. «Die Frauen sagen selbst, dass sie sich sicherer fühlen durch unsere Präsenz», sagt Ursula Kocher, Projektleiterin der Frauenberatung Flora Dora. Laut der Stadtpolizei hat es seit der Eröffnung weder nennenswerte Gewaltvorfälle, noch viele Sexarbeiterinnen ohne Bewilligung gegeben.

Auch die Rückmeldungen der Prostituierten in Bezug auf das sozialmedizinische Angebot auf dem Platz seien positiv. Vor allem zu Beginn musste viel Beziehungsarbeit geleistet werden, damit die Frauen bei Fragen oder Problemen die angebotenen Dienste von Flora Dora annahmen. Kocher: «Es ist eine Frage des Vertrauens.»

«Stehen ja nicht in Moonboots draussen»

Der Beratungspavillon von Flora Dora ist während der Arbeitszeit von 19 bis um 5 Uhr für die Sexarbeiterinnen geöffnet. «Es ist schön für die Frauen, sich im Pavillon aufwärmen zu können. Sie stehen ja nicht mit Moonboots und Skijacken draussen», sagt Ludwig. Sogar eine Waschmaschine und Schliessfächer für Wertsachen stehen ihnen zur Verfügung.

Das Ziel, die Bevölkerung insgesamt zu entlasten, ist erreicht worden, sagt Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei. «Im Frühling 2014 gab es einige Klagen aufgrund von Littering und Lärm. Daraufhin haben wir unsere Patroullien verstärkt. Seit dem gibt es fast keine Beschwerden mehr.» Laut Bisa ist man in regelmässigem Kontakt mit den umliegend Geschäften und Nachbarn.

Trotz des gelungenen Projekts am Depotweg in Altstetten stellt Kocher klar: «Sexarbeit ist keine lustige Arbeit, egal ob sie am Sihlquai oder in den Sexboxen verrichtet wird.»

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