Sexflaute in langen Beziehungen – So kommt wieder Schwung ins eingeschlafene Sexleben
Eingetragen im Kalender? Aber sicher: Denn wer sich Zeit für Sex nimmt und diesen plant, wird gemäss Sexualtherapeutin Dania Schiftan mit der Zeit auch wieder spontan Lust bekommen.

Eingetragen im Kalender? Aber sicher: Denn wer sich Zeit für Sex nimmt und diesen plant, wird gemäss Sexualtherapeutin Dania Schiftan mit der Zeit auch wieder spontan Lust bekommen.

Roman Odintsov / Pexels
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Flaute im Bett«Sexdates sind eine super Idee»

Tausend Mal berührt, bis irgendwann die Luft draussen ist: In langen Beziehungen wird der Sex mit der Zeit oft weniger. Sexologin Dania Schiftan hat ein Buch zum Thema geschrieben und Rat.

von
Geraldine Bidermann

Am Anfang ist alles ganz neu und aufregend. Aber nach der ersten Verliebtheit finden sich Paare im Alltag wieder – damit bleibt oft der Sex auf der Strecke. Dania Schiftan, Psychotherapeutin und klinische Sexologin hat gerade ihr neues Buch «Keep It Coming» herausgegeben. Darin erklärt sie anhand praktischer Beispiele und Tipps, wie Paare zurück zur Lust finden. Mit uns hat sie ein paar Tipps geteilt.

Einmal alle zwei Monate, einmal im Jahr: Ab wann spricht man eigentlich von einer Sexflaute?

Dania Schiftan: Sexflauten sind ein ganz individuelles Empfinden, bei dem beispielsweise ein Partner unbefriedigt bleibt und immer wieder abblitzt. Sobald kein dynamisches Hin-, und Her herrscht, bei dem mal die eine oder dann der andere mehr will, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Welche Erklärungen gibt es für typische sexuelle Probleme in Beziehungen

Sexualität ist erlernt und beginnt bei der Selbstbefriedigung. Während Frauen beim Masturbieren im Liegen oftmals die Klitoris streicheln, hängen Männer auf einem Stuhl und reiben am Penis. Wenn diese beiden Menschen nun zusammenkommen und Sex haben, dann sucht der Mann genau diese Reibung bei der Frau in der Vagina, während die Frau fast nicht in die Erregung kommt. Kein Wunder: Die Klitoris wird so entgegen ihrem erlernten Muster nicht stimuliert.

Da ist Frust vorprogrammiert.

Sie ist gestresst, weil er rammelt, um die Reibung zu finden, er ist im eigenen Film, um seine gesuchte Reibung zu erzeugen. Wenn die erste Verliebtheit weg ist, wird dieser Kampf um die Erregung immer grösser.

Was, wenn das über Jahre so weiterläuft?

Wenn Sex immer Stress bedeutet, weil man nicht in die Erregung kommt und man sich über das Gegenüber ärgert, wird man faul. Man hat dann höchstens noch nach einem gewissen Schema Sex, das einigermassen funktioniertaufregend ist das aber nicht.

Sex ist absolut veränderbar, je eher das Paare verstehen, desto besser

Dania Schiftan

Was hilft in dieser Situation?Alles Gelernte kann umgelernt weiter. Das braucht allerdings Zeit. Eine Frau kann zum Beispiel probieren, immer mehr die Vagina in die Selbstbefriedigung einzubeziehen, während ein Mann den Druck bei der Selbstbefriedigung ein wenig senkt, Schritt für Schritt. Sex ist absolut veränderbar und ein Trainingsfeld, je eher Paare das verstehen, desto besser.

Wie sieht es bei gleichgeschlechtigen Paaren aus?

Zwei Frauen beispielsweise haben oft weniger Mühe, sich die jeweilige Anatomie und die Bedürfnisse der Partnerin vorstellen zu können. Die Aufregung und die erste Verliebtheit sinkt aber genauso schnell wie bei Hetero-Paaren.

Viele Paare haben zu Beginn der Partnerschaft guten Sex, weil die Emotionen so stark sind, was auf die Geschlechtsteile überschwappt. Wie aber bleibt der Sex gut und häufig, auch nach der ersten Verliebtheit? Davon handelt das Buch neue «Keep it coming» von Dania Schiftan, erschienen im Piper-Verlag, Fr. 18.30 bei Exlibris.ch. 

Viele Paare haben zu Beginn der Partnerschaft guten Sex, weil die Emotionen so stark sind, was auf die Geschlechtsteile überschwappt. Wie aber bleibt der Sex gut und häufig, auch nach der ersten Verliebtheit? Davon handelt das Buch neue «Keep it coming» von Dania Schiftan, erschienen im Piper-Verlag, Fr. 18.30 bei Exlibris.ch.

Piper Verlag. 

Auch bei sexuell super harmonierenden Paaren wird der Sex mit der Zeit weniger. Ist Monogamie das Problem?

Natürlich ist in der frisch verliebten Phase alles intensiver, alles wird heftiger erlebt, die Hormone wirken wie ein Boost auf die Geschlechtsteile. Mit der Zeit sinkt der Hormonspiegel. Dann suchen sich viele Paare die Aufregung in anderen Begegnungen, quasi von aussen. Das ist natürlich völlig okay, aber nicht für alle eine Option. Längerfristig kann man es mit keinem Partner und keiner Partnerin vermeiden, dass sich eine gewisse Monotonie einschleicht. Die Frage ist also: Wie kann ich erlernen, dass mein Geschlechtsteil und mein Körper Sex langfristig toll finden, so dass es mich immer wieder reizt, mit der gleichen Person Sex zu haben? Je leichter jemand erregbar ist, desto mehr möchte diese Person Sex, ganz einfach.

Was halten Sie von fix abgemachten Sexdates im Kalender, wie sie oft empfohlen werden?

Die finde ich genial! Wer nämlich darauf wartet, dass plötzlich ein aufregender, spannender, lustvoller Moment entsteht, ist aufgeschmissen. Speziell im Alltag, gerade auch mit Kindern, fallen diese spontanen Räume weg. Je weniger Intimität mit dem Partner oder der Partnerin geteilt wird, desto schwieriger fällt es, diese Lustlosigkeit zu überwinden. Deshalb ergibt es Sinn, diese Sexdates zu planen, genau wie Ferien, Sport oder Hobbys. So lernt man, dass man auch verabredet total in Fahrt kommen kann.

Dania Schiftan ist Psychotherapeutin, Sexologin und Autorin mit eigener Praxis in Zürich.

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