Nachrichtendienst des Bundes - Sexismus und Mobbing beim Schweizer Geheimdienst
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Nachrichtendienst des BundesSexismus und Mobbing beim Schweizer Geheimdienst

Eine interne Umfrage und eine Arbeitsgruppe zeichnen beim Nachrichtendienst des Bundes ein dramatisches Bild des Arbeitsklimas.

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Eine Personalumfrage mit «katastrophalen Resultaten»: Der Nachrichtendienst des Bundes in Bern.

Eine Personalumfrage mit «katastrophalen Resultaten»: Der Nachrichtendienst des Bundes in Bern.

20min/Simon Glauser
Diese trugen zur Trennung des NBD-Direktors Jean-Philippe Gaudin bei: Bundesrätin Viola Amherd.

Diese trugen zur Trennung des NBD-Direktors Jean-Philippe Gaudin bei: Bundesrätin Viola Amherd.

20min/Simon Glauser
Bei der Umfrage kam die oberste Geheimdienstführung besonders schlecht weg.

Bei der Umfrage kam die oberste Geheimdienstführung besonders schlecht weg.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Eine Personalumfrage hat beim Abgang des Direktors des Nachrichtendienstes des Bundes eine zentrale Rolle gespielt.

  • Zehn Prozent gaben an, sie seien in den letzten 24 Monaten gemobbt worden.

  • Zwei Prozent berichteten von sexueller Belästigung am Arbeitsort.

Beim überraschenden Abgang des Direktors des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB) spielt eine Personalumfrage eine zentrale Rolle. Gemäss einer vertraulichen Aussage der zuständigen Bundesrätin Viola Amherd trugen deren «katastrophalen Resultate» zur Trennung von Jean-Philippe Gaudin bei, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Der NDB schnitt in der umfassenden Befragung des Bundespersonals deutlich weniger gut ab als andere Einheiten in Amherds Verteidigungsdepartement. Besonders schlecht weg kam die oberste Geheimdienstführung.

Zehn Prozent der Teilnehmenden aus dem NDB gaben an, sie seien in den 24 Monaten zuvor in der Bundesverwaltung gemobbt worden. Zwei Prozent berichteten von sexueller Belästigung am Arbeitsort.

«Sexismus ist Teil unserer Unternehmenskultur»

Das schlechte Abschneiden des NDB in der Personalbefragung war bislang öffentlich nicht bekannt. Es löste laut der Zeitung aber im Dienst einiges aus. Direktor Gaudin setzte eine Arbeitsgruppe ein, die schonungslos Missstände rapportiert. So hält die Gruppe von zwölf Angestellten aus verschiedenen Hierarchiestufen und Bereichen fest: «Sexismus ist leider immer noch Teil unserer Unternehmenskultur.» Mitarbeitende, die Sexismus feststellen, würden nicht ausreichend ernst genommen. «Die Toleranz der Vorgesetzten ist zu gross.»

Der Waadtländer Gaudin scheidet Ende August nach nur gerade drei Jahren an der NDB-Spitze aus. Seine letzten Monate sind geprägt von ersten Reformbemühungen, wie der «Tages-Anzeiger» weiter berichtet. So gab es beispielsweise Sensibilisierungskurse für das Kader. Weiter wurde ein Briefkasten eingerichtet, über den sich anonym Missstände melden lassen. Neu entsteht für Mitarbeitende mit Problemen auch eine Anlaufstelle mit einer Psychologin.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von (Cyber-)Mobbing betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Fachstelle Mobbing (kostenpflichtig)

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Hilfe bei Mobbing, Fachstelle für Schulen und Eltern (kostenpflichtig)

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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(chk)

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