Erotik-Markt: Sexkönig bekämpft Netz-Pornografie
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Erotik-MarktSexkönig bekämpft Netz-Pornografie

Patrik Stöckli vom Erotik-Markt will das Volk zur Urne rufen: Es soll die Jugend vor Pornografie im Internet schützen.

von
Lorenz Haselmann/Nico Menzato
Patrik Stöckli: «Politiker schauen beim Internet-Porno weg.» (Bild: rdb)

Patrik Stöckli: «Politiker schauen beim Internet-Porno weg.» (Bild: rdb)

«Im Internet können Jugend­liche heute Pornos anschauen, bei denen es sogar mir schlecht wird.» Dies sagt einer, der eigentlich abgehärtet sein sollte: Patrik Stöckli, der als Chef der Ladenkette Erotik-Markt selbst vom Verkauf von Pornos, Dildos und Dessous lebt. Ihn stört, dass die Politiker zwar stets von Jugendschutz sprechen, aber beim Internet die Augen verschliessen würden. «Sie sagen: ‹Da können wir nichts machen›, und schieben unserer Branche den Schwarzen Peter zu.» Nun wird er aktiv: Er lanciert bis zum Sommer eine eidgenössische Volksinitiative, mit der er den gesetzlichen Schutz der Minderjährigen vor Pornografie auch im Internet durchsetzen will. Konkret soll den Jugendlichen der Zugriff auf Websites mit ­pornografischem Material verunmöglicht werden. Stöckli: «Heute müssen sie nur anklicken, dass sie schon 18 Jahre alt sind. Das ist doch kein Jugendschutz.» Staaten wie Dubai etwa schafften es ja auch, die lokalen Moralvorstellungen auf das Internet anzuwenden.

CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer ist erfreut über Stöcklis Idee: «Da rennt er bei mir offene Türen ein. Ein Verbot von Websites würde die Präventionsarbeit sinnvoll ergänzen.» Die SP findet laut ihrem Medienverantwortlichen Andreas Käsermann, dass es beim Jugendschutz im Web «mit Sicherheit noch einige Lücken zu schlies­sen gibt», zur Initiative will man sich aber noch nicht äus­sern. SVP-Nationalrätin Natalie Rickli jedoch ist gegen die Ini­tiative: «Das Anliegen ist sympathisch, aber nicht oder nur mit massiver staatlicher Kontrolle durchsetzbar – und das lehne ich ab.» Stattdessen müsse man das Problem via Auf­klärung und Eltern angehen.

«Vollschutz vor Internet-Porno nur durch Zensur»

Dass Jugendliche im Internet Pornografie konsumierten, könne auch durch rigorose Mass­nahmen nicht völlig verhindert werden, sagt Internet-Experte René Waldburger. Technisch wäre es zwar machbar: «Am einfachsten würde man Internetseiten mit pornografischen Inhalten komplett sperren, auch für Erwachsene. Das käme aber einer totalitären Zensur gleich.» Um nur Jugendliche zu schützen, müssten die Schweizer Internet-Provider von allen Surfern verlangen, dass sie sich bei jedem Besuch von Sex­sites persönlich identifizieren – beispielsweise durch Einscannen der ID. Dies würde laut Waldburger aber einen riesigen Kontrollaufwand bedeuten: Nicht jugendfreie Websites und Wörter, die auf Pornoseiten hinweisen, müssten laufend registriert werden. Ein vollumfänglicher Jugendschutz wäre aber auch damit nicht erreicht. Waldburger: «Viele Teenager würden Wege finden, diese Sperre zu umgehen.»

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