Menschenhandel: Sexsklavinnen waren «wie Ware»

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MenschenhandelSexsklavinnen waren «wie Ware»

Menschenhändler lockten Thailänderinnen in die Schweiz, um sie als Sexsklavinnen in Luzerner und Berner Bordellen zu halten. Ein Mittäter wurde nun zu einer Haftstrafe verurteilt.

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Menschenhandel in Luzern und Bern: Das Luzerner Kriminalgericht hat einen Beteiligten verurteilt.

Menschenhandel in Luzern und Bern: Das Luzerner Kriminalgericht hat einen Beteiligten verurteilt.

Man lockte die Frauen mit der Aussicht auf eine Stelle als Masseuse oder Servicekraft von Thailand nach Europa. In der Schweiz angekommen, begann für die Frauen jedoch eine albtraumhafte Leidensgeschichte: Die versprochenen Jobs gab es gar nicht – dafür mussten sie schon kurz nach ihrer Ankunft als Sexsklavinnen in Bordellen in Luzern und Bern arbeiten und den Menschenhändlern viel Geld abliefern. Denn: «Für die Reise und deren Organisation wurden den Frauen Schulden von meist rund 60'000 Franken auferlegt, die sie durch Prostitution abzuarbeiten hatten», heisst es in einem Urteil des Luzerner Kriminalgerichts, das einem beteiligten Thailänder eine Freiheitsstrafe auferlegte.

Die eine Hälfte des Geldes, das die Frauen erwirtschafteten, war für die jeweiligen Bordellbetreiber bestimmt, die andere Hälfte ging an die Organisatoren in Thailand, geht aus dem Urteil hervor. Wenn sich die Opfer weigerten, hätten ihnen die Menschenhändler mit Gewalt gegen sie oder gegen ihre Angehörigen gedroht. «Den Frauen wurde teils gesagt, dass sie erst nach Thailand zurück dürften, wenn die Schulden abgearbeitet seien oder dass man sie schon finden würde, wenn sie fliehen würden.» Einem Opfer hätten die Menschenhändler etwa gesagt, «man werde eine Bombe in ihr Haus in Thailand werfen, falls sie ihre Schulden nicht abarbeite».

«Es war kaum möglich, ungestört Privates für sich zu erledigen»

Als eines der Opfer zurück in die Heimat wollte, verlangten die Menschenhändler laut Urteil 250'000 Franken für ihre Rückreise. Mit den Frauen wurde «wie mit Ware umgegangen», heisst es im Urteil. «Sie wurden ‹bestellt›, ‹vermittelt›, ‹verkauft› und in die verschiedenen Bordelle ‹transportiert›. Man ‹besass› sie und bestimmte in den meisten Lebensbelangen über sie», steht dort weiter.

Privatsphäre hätten die Opfer gemäss Urteil praktisch keine gehabt: Teilweise hätten mehrere Frauen in den Bordellen auf engem Raum zusammen gewohnt – geschlafen hätten sie auf dem Boden oder auf teilweise sehr dünnen Matratzen. «Es war kaum möglich, ungestört Privates für sich zu erledigen, etwa ins Internet zu gehen, zu telefonieren etc.» Zudem seien sie streng überwacht worden: Die Bordelle hätten sie nur für kurze Zeit und nur zum Einkaufen verlassen dürfen – «dies meist nur in Begleitung und nach vorgängiger Anmeldung».

Parallele Ermittlungen in Bern und Luzern

Nach einer gewissen Zeit hätten die Sexslkavinnen das Bordell wechseln müssen. «Damit wurde den Freiern eine gewisse ‹Abwechslung› ermöglicht.» Gab es Polizeikontrollen in den Bordellen, hätten sie sich verstecken und wenn sie auf der Strasse kontrolliert wurden, die Beamten anlügen müssen.

Im September 2011 meldete sich schliesslich eines der Opfer bei der Polizei und floh aus einem Bordell, geht aus dem Urteil weiter hervor. In der Folge starteten die Luzerner Staatsanwaltschaft und Polizei die Aktion «Mango» und konnten mehrere Tatbeteiligte und Opfer ausfindig machen. Parallel dazu führte die Berner Staatsanwaltschaft die Aktion «Vegas» durch und ermittelte gegen weitere Beteiligte.

Nun hat das Luzerner Kriminalgericht einen Mitschuldigen verurteilt. Der Mann hatte laut Urteil einerseits knapp 20 Frauen in diverse Bordelle gebracht, andererseits transportierte er Geld, das die Sexsklavinnen erarbeitet hatten. Zudem half er mit, den Opfern gefälschte Pässe zu besorgen. Dafür erhält der Thailänder eine bedingte Freiheitsstrafe von 2 Jahren.

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