Der SCB hat ein Problem: Sexspiele oder Bubenstreich?
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Der SCB hat ein ProblemSexspiele oder Bubenstreich?

Die SCB Future AG, die Nachwuchsorganisation des SC Bern, sieht sich mit einem hochheiklen Problem konfrontiert. Der Kinderschutz ist eingeschaltet worden.

von
Klaus Zaugg
SCB-CEO Marc Lüthi wartet auf die Hilfe der Experten vom Kinderschutz. (Bild: Keystone)

SCB-CEO Marc Lüthi wartet auf die Hilfe der Experten vom Kinderschutz. (Bild: Keystone)

Der SC Bern führt eine der besten Nachwuchsabteilungen im Lande. Die sportliche und administrative Struktur der SCB Future AG ist hoch professionell, der Erfolg entsprechend: Immer wieder wird die erste Mannschaft mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs vitalisiert (u. a. Pascal Berger, Joel Vermin, Tristan Scherwey, Christoph Bertschy, Etienne Froidevaux) und Roman Josi gehört inzwischen gar zur Business-Klasse der NHL-Verteidiger.

«Fummel- und Rollenspiele»

Aber nun hat der SCB in seiner Vorzeige-Juniorenabteilung ein hochheikles Problem. Die Frage ist: Ein Unflat oder einfach ein wilder Lausbub? Ein Spieler des Piccolo-Teams (Jahrgänge 2001 und jünger) terrorisiert angeblich mit «Fummel- und Rollenspielen» seine Mitspieler und ganz speziell den Buben der ehemaligen Spitzensportlerin und Politikerin C.S., liiert mit dem ehemaligen Nationalrat P.F. Womit die ganze Sache auch eine politische Brisanz hat: C.S. hat angeblich den Gang in die Öffentlichkeit erwogen, soll es sich aber inzwischen wieder anders überlegt haben. Eine interne Bereinigung des Vorfalles sei gescheitert, weil sich bisher weder der beschuldigte Bub noch sein Vater einsichtig und reumütig gezeigt haben sollen.

Die Eltern der Spieler haben sich inzwischen organisiert, eine Strafanzeige ist jedoch nicht eingereicht worden. Aber es gebe Buben, die Angst hätten, ins Training zu gehen. Der angebliche Vorfall ereignete sich bei den jeweils mehrtägigen Turnierteilnahmen. Die Buben übernachten dann in Schlafsälen – wie bei Ski- und Sommerlagern.

Kinderschutz eingeschaltet

Der SCB-Führung (die SCB Future AG ist eine Tochtergesellschaft des grossen SCB) ist sich der Brisanz sehr wohl bewusst und nimmt die Sache sehr ernst. Der Kinderschutz des Universitätsspitals Bern ist mit einer Untersuchung beauftragt worden. Am Mittwoch wird dieser Bericht mit entsprechenden Massnahme-Empfehlungen vorliegen.

SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi bestätigt die Geschichte gegenüber der Zeitung «Sonntag» und 20 Minuten Online und begründet das Vorgehen so: «Nur Fachleute sind dazu in der Lage, herauszufinden, was wirklich vorgefallen ist. Es kommt nicht in Frage, dass wir aufgrund von nicht gesicherten Fakten Massnahmen treffen, die für die Beteiligten unabsehbare Folgen haben können. Deshalb haben wir den Kinderschutz mit einer Untersuchung beauftragt. Es kann sein, dass es sich einfach um dumme Bubenstreiche handelt. Aber es kann auch sein, dass wir hier ein ernsthaftes Problem haben. Um die richtige Entscheidung treffen zu können, die allen gerecht wird, sind wir auf die Hilfe von Fachleuten angewiesen.»

Vater des Beschuldigten gehört zum Trainerstab

Der Fall ist auch deshalb nicht einfach zu lösen, weil der beschuldigte Bub einer der besten seiner Altersklasse ist, sein Vater zum Trainerstab des Teams gehört, der Vater des mutmasslichen Opfers aber auch. Das führt zu einem frostigen Klima rund ums Team. Eine diskrete Suspendierung des angeblich fehlbaren Buben ohne unkontrolliertes Gerede und Gerüchteverbreitung wäre also gar nicht möglich gewesen. Kommt dazu, dass prominente Väter ihre Buben in dieser Mannschaft haben: Etwa SCB-Cheftrainer Antti Törmänen und SCB-Sportchef Sven Leuenberger.

Die Frage ist also: Sexuelle Übergriffe und besorgniserregendes Fehlverhalten oder ganz einfach ein dummer Lausbubenstreich? Am Mittwoch sollte der Kinderschutz des Universitätsspitals die Antwort liefern.

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