Jugendschutz: Sexsuche mit Microsoft
Aktualisiert

JugendschutzSexsuche mit Microsoft

Um Google anzugreifen, muss eine Suchmaschine eine einzigartige Funktion bieten: «Bing» bringt diese mit - allerdings wohl ungewollt.

von
Henning Steier

Wer bei Google den Familienfilter ausschaltet und «Strumpfhose» in die Videosuche eingibt, findet auf der Startseite vier Erotik-Clips, die bezeichnende Titel tragen: «Das Leid mit der zwickenden Strumpfhose», «Angezogen wird eine Strumpfhose für den Abend», «Strumpfhosen Hörbuch Teil 2» sowie «Mädchen in Strumpfhose auf Autoreifen». Nur das letztgenannte Video zeigt viel nackte Haut und verweist auf eine Sexseite. Bei der Bildersuche sind ungefähr 80 Prozent der Ergebnisse für diese Anfrage harmlos. Auf dem Rest der Fotos sind nackte Frauen zu sehen - allerdings nicht in pornografischen Posen.

Die gleiche Suche bei Yahoo liefert auf der ersten Seite nur einen harmlosen Clip namens «Saugeile Frau tanzt ueber der Cam in Strumpfhose!», der auf einen YouTube-Klon namens bendecho führt. Ausserdem präsentiert Yahoo ein Video mit dem Titel «Maren-1». Es zeigt eine Frau, die sich ihre Hand zwischen die Beine schiebt, aber nicht masturbiert. Gibt man in die Bilder- und Videosuche von Yahoo und Google eindeutige Begriffe wie «Sex und «Porn» ein, werden bei Yahoo harmlose Bilder anzeigt, während Google auch Hardcore-Fotos ausspuckt. Was Clips angeht, liefern beide Anbieter auch pornografische Videos, die man sich in der Regel aber nur auf anderen Seiten anschauen kann.

Bug in «bing»

Microsofts neue Suchmaschine «bing» hat die schlechtesten Filter eingebaut. Hierzulande sind zwar noch nicht alle Funktionen verfügbar. Wer aber in der US-Version die Spracheinstellung auf «English» ändert und «SafeSearch» auf die niedrigste Stufe stellt, der wähnt sich auf YouPorn, wenn er «Strumpfhose» in die Bilder- und Videosuche eingibt: Die Fotos und Clips auf der ersten Seite sind zu einem grossen Teil expliziter Natur. Und weil Microsoft von allen Anbietern die beste Vorschaufunktion bietet, kann man sich Ausschnitte direkt auf der Seite angucken, wenn man den Cursor über ein Video führt. Tippt man Wörter wie «Sex» oder «Porn» ein, geht der Anteil nicht-pornografischer Treffer gegen Null.

«Es ist unverantwortlich von Microsoft eine Suchmaschine ins Netz zu stellen, welche den Jugendschutz noch mehr als Google und Yahoo missachtet», kritisiert der Berner Sexualpädagoge Bruno Wermuth im Gespräch mit 20 Minuten Online. Er forderte den IT-Konzern auf, den Bug schnellstmöglich zu beheben und entsprechende Filter einzubauen. «Standardmässig ist der Familienfilter eingeschaltet und verhindert mit einer sehr hohen Zuverlässigkeit die Anzeige pornografischer Ergebnisse», sagte Barbara Josef, Sprecherin von Microsoft Schweiz, zu 20 Minuten Online, «um auf solche Inhalte zu gelangen, muss der Benutzer die Standardeinstellungen also bewusst umgehen; auch dabei wird er nochmals gewarnt.»

Microsoft hatte «bing» am vergangenen Donnerstag auf dem Branchentreff «All Things Digital» im kalifornischen Carlsbad vorgestellt. Das Video gibt einen kurzen Einblick.

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Die Webseite wird am 3. Juni offiziell ins Netz gehen, schon jetzt kann man aber eine Vorversion ausprobieren. Beim weltweiten Marktanteil an der Websuche liegen die Redmonder abgeschlagen auf dem vierten Rang, wie eine Studie der Marktforscher von comScore ergab. Demnach kam Google von März 2008 bis 2009 auf 62 Prozent aller Suchanfragen, Yahoo auf 10,1 Prozent und der chinesische Anbieter Baidu.com verzeichnete 8,2 Prozent. Microsoft erreichte 2,8 Prozent.

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