Aktualisiert 07.06.2011 21:26

ZürichSexsüchtige suchen vermehrt Hilfe

Im Raum Zürich steigt die Zahl von Sexsüchtigen, die Hilfe suchen. Beratungsstellen registrieren eine massiv höhere Nachfrage.

von
Deborah Sutter
Die Nachfrage nach Beratung für Sexsüchtige hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Foto: colourbox.com

Die Nachfrage nach Beratung für Sexsüchtige hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Foto: colourbox.com

Nicht nur Hollywoodstars lassen sich wegen ihrer Sexsucht behandeln: Immer mehr Männer suchen sich auch im Raum Zürich Hilfe. «Die Zahl der Mitglieder unserer Gruppe für sexsüchtige Männer hat sich innerhalb des letzten Jahres verdoppelt», sagt der Sexologe Werner Huwiler vom Mannebüro in Zürich. Auch im Bereich der Einzelberatung sei deutlich zu spüren, dass Sexsucht immer mehr Männer betreffe – Woche für Woche melde sich mindestens ein neuer Betroffener. «Eine solche Sucht äussert sich etwa darin, dass ein Mann über Mittag ins Puff geht oder nächtelang, teilweise auch während der Arbeitszeit, Pornos konsumiert», so Huwiler. Unter den Betroffenen fänden sich Familienväter, Manager oder Studenten.

Der Rapperswiler Sexual-Berater Rolf Rietmann betreibt Liberty4you, ein Portal für Porno- und Sexsüchtige. Auch er sagt: «Wir spüren einen starken Anstieg von Nachfragen.» Viele der Männer, die den Hauptteil der Betroffenen ausmachen, kämen aus Jobs, die keine feste Tagesstruktur vorgäben, wie etwa Selbstständige, Ärzte und Pfarrer. «Einige verlieren deswegen ihren Job, ihre Familie oder ihr ganzes soziales Netzwerk», so Rietmann. Sexsüchtige seien in der Grundstruktur etwa vergleichbar mit Alkoholikern und gerieten in einen ähnlichen Teufelskreis: «Die Sexsucht fördert Vereinsamung, die ihrerseits wieder die Sucht verstärkt.»

Sexsucht führt zu Verzweiflung

Sex wird nicht mehr als Befriedigung oder Genuss empfunden, sondern als Zwang: ­Deswegen bezeichnet Werner Huwiler seine Therapiegruppe für Sexsüchtige als «Gruppe für sexverzweifelte Männer». Betroffene verzweifelten regelrecht an ihrer eigenen Sexualität: «Sie verlieren die Kontrolle darüber, wann und wo sie Sex haben wollen, können aber nicht mehr aufhören», so Huwiler. Die Gruppe der Anonymen Sexsüchtigen in der Schweiz schreibt auf ihrer Homepage: «Für den Sexsüchtigen wirkt jede Form von sexueller Handlung zerstörerisch. Der oder die Sexsüchtige weiss überhaupt nicht mehr, was richtig und was falsch ist.»

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