Aktualisiert 05.01.2011 17:24

Ballettdrama

Sexszene ist eine Mogelpackung

Vor dem Filmstart von «Black Swan» kursierte eine prickelnde Szene zweier Darstellerinnen im Web. Wer nun einen erotischen Film erwartet, wird enttäuscht.

von
Niklaus Riegg

Der Film ist der Kritikerliebling des Jahres: Seit er Anfang Dezember in den amerikanischen Kinos anlief, hat er schon drei Dutzend Preise gewonnen und für weitere rund hundert Auszeichnungen ist oder war er nominiert. Alleine bei den renommierten «Critics' Choice Awards» – die als wichtiger Gradmesser für die Oscars gelten – ist er zwölf Mal vorgeschlagen.

Diese Vorschusslorbeeren dürften beim einen oder anderen Mainstream-Kino-Fan das Interesse geweckt haben. Doch wer sich von «Black Swan» einen erotischen Thriller erhofft hat, nachdem er die heisse Szene zwischen Mila Kunis und Natalie Portman gesehen hat, der sollte den Film meiden. Wer nach dem Anschauen des Trailers auf wohligen Grusel hofft, für den ist der Streifen die falsche Wahl. Und wer das Kino mit einem guten Gefühl verlassen will, der sollte einen grossen Bogen um das von der Kritik so hochgelobte Ballettdrama machen. Der Streifen ist quälend harte Kino-Kost.

Mila Kunis und Natalie Portman kommen sich nahe: Die einzige prickelnde Szene in «Black Swan».

Der Plot

Die Geschichte spielt im Milieu des New York City Balletts. Natalie Portman porträtiert mit einer beeindruckenden schauspielerischen Leistung die aufstrebende, aber etwas unterkühlte Tänzerin Nina, deren ganzes Leben sich nur um das Tanzen dreht. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter (Barbara Hershey), einer gescheiterten Ballerina, welche die Karriere ihrer Tochter übereifrig fördert. Nina bekommt die Hauptrolle in «Schwanensee» angeboten. Als Schwanenkönigin muss sie jedoch sowohl den unschuldigen und grazilen weissen Schwan, als auch den feurigen und lasziven schwarzen Schwan verkörpern. Nina ist perfekt für die Rolle des weissen Schwans geeignet, jedoch ist eine andere Tänzerin (Lily, gespielt von Mila Kunis) die Personifizierung des schwarzen Schwans. Während die mageren Tänzerinnen ihre Rivalität in einer verworrenen Liebelei umwandeln (inklusive erwähnter Sexszene), kommt Nina immer mehr mit ihrer dunklen und rücksichtslosen Seite in Kontakt, die sie zerstört.

Quälend

Gezeichnet wird dieser Plot in verstörenden Bildern, die mit einer beklemmenden Atmosphäre die Handlung überlagern. Nina reagiert auf den Druck, den ihre Mutter und das Theater auf sie ausüben, mit gruseligen Selbstverstümmelungen. Dem Film fehlt es an Sinnlichkeit, an Humor und an Spannung – und bedeuten für den Mainstream-Zuschauer 108 quälende Minuten. Die Kritiker dürften neben den tollen schauspielerischen Leistungen jedoch gerade davon beeindruckt gewesen sein.

«Black Swan» läuft ab dem 20. Januar in den Schweizer Kinos.

Der Filmtrailer

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.