Postulat: «Sexualkurse für alle Migranten in der Schweiz»
Aktualisiert

Postulat«Sexualkurse für alle Migranten in der Schweiz»

Das Wallis schickt seine Flüchtlinge in einen obligatorischen Sexualkurs. Das sollten alle Kantone tun, fordert SP-Nationalrätin Silvia Schenker.

von
D. Pomper
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Alle Flüchtlinge, die im Kanton Wallis ankommen oder leben, müssen einen vierstündigen Sexualkurs obligatorisch besuchen. Der Wallis ist der einzige Kanton, wo Flüchtlinge obligatorisch in einen Sexualkundekurs müssen.(KEYSTONE/Gaetan Bally)

Alle Flüchtlinge, die im Kanton Wallis ankommen oder leben, müssen einen vierstündigen Sexualkurs obligatorisch besuchen. Der Wallis ist der einzige Kanton, wo Flüchtlinge obligatorisch in einen Sexualkundekurs müssen.(KEYSTONE/Gaetan Bally)

Keystone/Gaetan Bally
In anderen Kantonen dagegen, gibt es keine solche obligatorischen Kurse. So gehört Sexualkunde denn auch nicht standardmässig zu den kantonalen Integrationsprogrammen KIP, wie etwa  die Aufklärung über Pflichten (Abfallentsorgung), Verbote (häusliche Gewalt) und Rechte (Gleichberechtigung).

In anderen Kantonen dagegen, gibt es keine solche obligatorischen Kurse. So gehört Sexualkunde denn auch nicht standardmässig zu den kantonalen Integrationsprogrammen KIP, wie etwa die Aufklärung über Pflichten (Abfallentsorgung), Verbote (häusliche Gewalt) und Rechte (Gleichberechtigung).

Gabriele Putzu
«Es macht keinen Sinn, dass Migranten vom Kanton über die Abfallentsorgung informiert werden aber nicht über Sexualität», sagt die SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Die Baslerin fordert, dass jeder Kanton obligatorische Sexualkurse für Migranten einführt, beziehungsweise Sexualkunde standardmässig in die KIP aufgenommen wird. Schenker wird in der Frühlingssession ein entsprechendes Postulat einreichen.

«Es macht keinen Sinn, dass Migranten vom Kanton über die Abfallentsorgung informiert werden aber nicht über Sexualität», sagt die SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Die Baslerin fordert, dass jeder Kanton obligatorische Sexualkurse für Migranten einführt, beziehungsweise Sexualkunde standardmässig in die KIP aufgenommen wird. Schenker wird in der Frühlingssession ein entsprechendes Postulat einreichen.

Yoshiko Kusano

Wird man vom Küssen schwanger? Kommen meine Kinder behindert zur Welt, wenn ich masturbiere? Macht die Pille unfruchtbar? Warum habe ich am Morgen eine Erektion?

Solche Fragen beantwortet Sexualberaterin Jacqueline Fellay-Jodan jungen Migranten aus Afghanistan, Syrien, Iran oder Eritrea. Sie erklärt, wo Sperma entsteht, wie Befruchtung geht, wo Babys entstehen, wo die Vagina ist und wie die Klitoris stimuliert wird. Und sie erklärt, warum auch Schweizer ehrenhafte Menschen sind: «Ich stelle klar, dass Jungfräulichkeit vor der Ehe bei uns nichts mit Ehre zu tun hat.»

Alle Flüchtlinge, die im Kanton Wallis ankommen oder leben, müssen einen solchen obligatorischen vierstündigen Sexualkurs besuchen. «Wo viel Unwissen ist, gibt es viele Mythen», sagt die 53-Jährige gegenüber der «SonntagsZeitung». Das Wallis ist der einzige Kanton, wo Flüchtlinge verpflichtet sind, einen Sexualkundekurs zu besuchen.

«Sexualkurs soll in allen Kantonen obligatorisch werden»

In anderen Kantonen dagegen gibt es keine obligatorischen Kurse dieser Art. So gehört Sexualkunde denn auch nicht standardmässig zu den kantonalen Integrationsprogrammen KIP, wie etwa die Aufklärung über Pflichten (Abfallentsorgung), Verbote (häusliche Gewalt) und Rechte (Gleichberechtigung). Laut dem Sekretariat für Migration würden aber in der Integrationsförderung Themen wie Verhütung, Schwangerschaft, Abtreibung und weibliche Genitalverstümmelung angesprochen.

«Es macht keinen Sinn, dass Migranten vom Kanton über die Abfallentsorgung informiert werden, aber nicht über Sexualität», sagt die SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Die Baslerin fordert, dass jeder Kanton obligatorische Sexualkurse für Migranten einführt beziehungsweise Sexualkunde standardmässig in die KIP aufgenommen wird. Schenker wird in der Frühlingssession ein entsprechendes Postulat einreichen.

«Das Thema Migranten und Sexualität wird noch immer tabuisiert», kritisiert Schenker, die schon vor zwei Jahren einen Gender-Kurs für Asylsuchende forderte. Dies nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln. «Flüchtlinge sollen auf die Schweizer Kultur vorbereitet werden – auch auf den richtigen Umgang mit westlichen Frauen», sagt Schenker. Mit einem relativ kleinen Aufwand könnten in Sachen Gleichberechtigung der Geschlechter Grosses bewirkt werden, ist Schenker überzeugt.

«Sex ist Privatsache»

Anders sehen das laut der «SonntagsZeitung» die zuständigen kantonalen Behörden und Organisationen. Sexuelle Aufklärung sei wichtig für die Integration, aber man könne sie nicht standardmässig einführen, weil nicht alle Migranten diesbezüglich dasselbe Bedürfnis hätten und Sex Privatsache sei.

Dass es aber auch anders geht, zeigt Deutschland. Dort gibt es zwar keine obligatorischen Sexualkurse, aber das Aufklärungsportal Zanzu.de informiert Migranten, wie Liebe und Sexualität funktioniert. Das Portal wurde von der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ins Leben gerufen.

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